Ga|li|ma|thi|as – fr. (sinnloses, verworrenes Gerede) m.,s.
Fragmente (1977-2024)
Hier halte ich Dich mit sinnlosem, verworrenen Gerede auf dem Laufenden.
Heute kommt gleich ein ganzer Haufen gesammelter Gedanken daher.
Ich habe immer geschrieben.
In der Literatur dürfte dies & jenes.
Gerne hätte ich in Literatur gemacht.
Irgendwann habe ich begonnen, die Sätze, die trotzdem bleiben dürfen, festzuhalten…
…hier sind’se!
Vielleicht ist etwas für Dich dabei?
Worüber auch immer…
Ich habe diese Übung im Missen.
Das Missen zu üben, ist gar nicht so schwer.
Wer aber wirklich misst, weiß um die Schwere.
Schwerer denn Blei.
Eine Freundin schrieb mir einst, sie wolle mit mir weder verwandt, noch verschwägert sein. Denn das würde unsere Möglichkeiten sehr einschränken. Weit später setzten wir uns sommers schattensuchend unter einen Baum am staubigen Feldesrand. Sonnenblumen zuhauf drehten ihre Köpfe; zeitweilig schien es, als ob auch nach uns. Wir lachten darüber kurz & intensiv. Es sind derweil etliche Wolken über das Feld gezogen. Die Sonne schien, sie zog. Manch‘ Herbst nebelte über schwarzer Krume. Ein damals kurz gefasster Gedanke geht mir nicht aus dem Sinn. Aber ich wüsste nicht, welcher. Fasse das Leben beim Schopf, hörte ich jemanden sagen. »Glatze«, sagte sie [2024]
Faktorenanalyse | Ich habe wenig mathematisches Vermögen; wenn ich aber sie sehe, ist da der Sehnsuchtsfaktor. Der leuchtet mir ein.
Besser, als dieser antisemitismebuikpijn… [2024]
Gedanken, schön gekämmt & frisiert. [Heinrich Heine] Wenn’s darauf man rauskommt [/rauskäme…]
[Den folgenden Text habe ich vor vielen, vielen Jahren geschrieben.
Otto gab es wirklich, aber in ganz anderem Kontext.
In Harburg.
Er kam öfters im SPD-Kreisbüro rum, wo ich selber manchmal abhing, obwohl ich eher nicht so SPD war. Wegen Willy Brandt schón. Auch um meiner Eltern wegen, aber deutlicher wegen Ute & Rüdiger & auch wegen Uli Klose [Hans-Ulrich Klose, ein wirklich feiner Kerl, bei allem…]; der war innerparteilich eher rechts, aber immer klug & überzeugte mich einmal mehr.
Otto war ein Trinker vor dem Herrn & schon etwas abgekackt.
Vermutlich, oder sicher, war er nicht mehr zu retten.
Er schleppte immer Taschen voller klappernder Flaschen mit sich & stank.
Das SPD-Kreisbüro war sein Zugang zu warmem Wasser. Otto war mehr/weniger obdachlos & lebte bei seiner Mutter.
Er war damals ungefähr so alt wie ich heute.
Ich muss gar nicht fragen: Otto war damals schon halbtot.
Otto hat mich beschäftigt & beschäftigt mich heute noch.
Wäre ich mutig & Schriftsteller geworden, hätte ich mit ihm seine Geschichte erzählen wollen.
Otto und ich, wir waren einander verwandt, da Ute & Rüdiger ihn & mich gleichermaßen ertrugen.
Ich war – teilweise privilegierter, Sohn [über gender-Fragen müsste ich separat mit Euch schwätzen, wenn ich sehe, wie meine Schwestern behandelt wurden…] einer »Aufsteiger-Familie (West)«. 2. Student.
Hách…]
Er hatte drei Graphitstifte aus nacktem Holz akkurat nebeneinandergelegt, rechts von sich. »Mit die Bleistifte kann’s ja nichts werden«, hatte Otto immer gesagt, wenn er Michel zuschaute, wie der die Schreibutensilien um sich ausbreitete, um eine neue Geschichte zu beginnen. »Mit die Bleistifte« konnte es tatsächlich nichts werden, schon Michel wusste, was Max längst weiß: Graphit gab eine Schrift von Fliegenschiss, Weltliteratur aber kam anders daher. Das Linkshänder-Handicap tat das übrige. Füller, Tinte, Feder, damit war vielleicht kein Staat, auf jeden Fall waren aber Gedichte damit zu machen. »Kugelschreiber sind die Soldaten der Schrift«, bellte Otto, als ihm noch wenigstens dann & wann etwas einfiel, während er Michels gequältes Gesicht sah, wenn die Handschrift ihm zerfloss. Mit Kugelschreibern ließ sich Staat machen, mit Tinte hielten die Buchstaben Hof. Max ließ dies & jenes in Gedanken Revue passieren, während er auf einem der Graphitstifte kaute. Ein Geschmack von Kreuzkümmel (das erste Fladenbrot ließ ihn an Bleistifte denken), bitteres Memento auf der Zunge. Eine Geschichte wollte er schreiben, in die all das einflösse, was er gerade empfand – der Verlust, die Suche, das Finden, die Sehnsucht, das Glück im Off, die Last der persönlichen wie der deutschen Geschichte an sich. Die Empfindungen, durch die er sich nur halb fühlte, & die Bereicherung, etwas Ganzes kennen gelernt zu haben. Es kam wieder nur ein Gedicht heraus, & wenn er die Worte gegen den Strich las, wenn er die Wortanfänge addierte, eine Quersumme bildete oder etwas anderes von dem tat, was man besser nicht tut, blieben unter dem Strich: W,I,L,L & Y. Er nahm sich zusammen, indem er sich zwang, an Otto zu denken. Als der die Kleidung nicht mehr wechselte, nur noch Bier in sich hineinkippte, begleitet von den immer wiederkehrenden, gleichen Geschichten. Max suchte nach Worten, die vielleicht auch Otto hätten rühren können, die er verstanden hätte & die sein Leben hätten ändern mögen (wenn sie ihm nur damals eingefallen wären). Ein Gedicht, dachte Max, das vor Ottos Unglück nicht bestehen könne, sei keines (und Ottos Unglück war noch seines; andere bekamen nie die Gelegenheit, Zeit & Mühe auf den eigenen Untergang zu verwenden. Darin lag noch etwas von Glück: dass Otto seines eigenen Unglücks Meister war). Er versuchte sich vorzustellen, wie Otto zärtlich »Willy« sagte, & umgekehrt. Weltliteratur widerfuhr Max selten, aber einiges, was es dazu brauchte, hatte er immer bei sich. Über dieses Gespür legten sich oft seine Worte wie Patina. [Aus dem Max-Zyklus]
So kurz vor 30 nehme ich mir meine erste Bilanzkrise. Übung macht den Meister. Was ist aus uns geworden? Um- & Vorsicht, Rück- & Nachsicht. Wer wartet, hat das Nachsehen.
Von Zeit zu Zeit habe ich mich gerne verliebt.
Ich war mir anfangs nicht semantisch bewusst, dass die Vorsilbe ver bereits strukturell eher in die Irre führt
Das habe ich, so far, ausgehalten
…es liegt vielleicht gänzlich anders. An anderem. Wer weiß es; ich nicht.
So kurz vor 30 nehme ich mir meine erste Bilanzkrise. Übung macht den Meister. Was ist aus uns geworden? Um- & Vorsicht, Rück- & Nachsicht. Wer wartet, hat das Nachsehen.
Obsolet. Bei anderer Gelegenheit dachte ich [2020]: Ich bin für die Postmoderne noch lange nicht reif. Ich habe ja die Freudsche kopernikanische Wende […dass der Mensch nicht Herr (Genderbuzzer!!!) im eigenen Hause sei…] noch gar nicht überwunden. Zumal in Postmoderne das Wort »Mode« steckt, mit dem ich mich beim Denken, Analysieren & Kritisieren so gar nicht anfreunden kann & will… Rabbi Hillel (»Trete ich selber nicht für mich ein, wer tritt für mich ein? Wenn ich nur für mich bin, was bin ich? Wenn nicht jetzt, wann dann?« [Talmud, Pirkeh Aboth / Sprüche der Väter, I 13]) ist sicher vormodern, wie auch die [in Kohelet (Prediger) 3, 1-8] durch Salomo überlieferten Worte, die Pete Seeger 1950 als Grundlage für sein wundervolles Lied »Turn, turn, turn« wählte (, das wiederum erst 15 Jahre später durch die Byrds populär wurde…). Aber deshalb sind sie nicht unbedingt nur von gestern. Auch auf die Gefahr hin, dass das nicht überzeugt, fürchte ich, der »Turn-Around«, die »Umkehr« [hebr.: תשובה] geschieht nicht, solange ich auf den Turn-Around, die Umkehr, warte, sondern nur, wenn ich ihn praktiziere.
Soweit stammt der Text von 2020.
2024 finde ich auch als liberdoxer Freudianer, bekennender Atheist, vom Existentialismus beflügelter Solipsist usw. in der Ironie meine (etwas irre) Religion nicht mehr. Einst waren Ironie, Paraphrasen & das freie Assoziieren, meine (eben immer auch zusammengeborgte) Ausdrucksform. Meine Leichtigkeit hatte keine Flügel mehr. Manchmal meine Traurigkeit schon. & das war gut so. Das erhob sie… entfernte sie. All das ist heuer obsolet. [2024]
»Die Leiden Hiobs waren geringer, & in seinem Falle versuchte der Teufel sein Bestes.« [K.R. Eissler]
…es liegt vielleicht gänzlich anders. An anderem. Wer weiß es ich nicht.
Warum sollte das Alter beim Schreiben überhaupt eine Rolle spielen? »Reife ist eine Kategorie für Melonen« [Hans Keilson]; der Unterschied zwischen tatsächlichem & gefühltem Alter (wie die Radioansage: »gefühlte Temperatur:…«)
Ich müsse, sagte er, den Nachlass schon zu Lebzeiten ordnen; man wisse nie. Also nahm ich meine Worte zusammen, die letzten, die »bleibenden«, & ich schnürte sie Dir zum Bündel. Ich warf sie Dir vor. Einfach so. Damit Du Dir daraus anzögest, was Du willst. Was Dir passt. Ich habe Dich damit allein gelassen & bei mir gedacht: »-«. & das mag reichen. Alles Weitere überließ ich Dir. Ich bin kein Jäger & Sammler.
Freudian Slipper: Melodramatic turned into MELLOW DRAMATIC
»Unsere Gedanken sind unser Kapital«, wissen die Intellektuellen; »Deine Gedanken sind Gold wert«, denkt Max, »schreib sie auf!«, denn auf Gedanken allein gibt niemand Kredit. Worte zu klingender Münze gemacht: raus damit. Gedachte Gedanken müssen zum Klingen gebracht werden, damit sie wirksam werden [Aus dem Max-Zyklus]
Wahr sind nur die Gedanken, die sich selber nicht verstehen [Adorno] Eben drum
Wer weiß im Einzelnen, welcher Druck vor & hinter den Büchern steht, welche persönlichen Opfer sie dem Schreibenden abverlangen? Bücher, mit denen man sich nicht schwertut, taugen nichts; genauso wenig wie Bücher, denen man‘s anmerkt.
Wo Reflexion beginnt, klingt Für & Wider mit. Ein Dialog mit einer kritischen Instanz, die abwägt, wägt, für zu leicht oder für zu schwer befindet. Prüft, bestätigt oder verwirft. Nicht Dialog um seiner selbst willen, sondern als Teilhabe an einer Welt, die sich aus sich selbst heraus nicht erschließt.
Wenn sie französisch redete, erinnerte mich das an jeden Film von Eric Rohmer
Denken als Ausdruck der Warenwelt – »ich spare mir diesen Gedanken auf, für später« (ein Luxus, den sich kaum einer leisten kann – ich jedenfalls nicht: Gedanken als »totes Kapital«; den Gedanken muss man sich mal erlauben…); »den Gedanken können sie sich sparen«.
…hätte jetzt nicht noch jemand eine kleine oder große ablenkende Gemeinheit für mich parat? Das 21. Jahrhundert enttäuscht nicht nur, es schaut aus wie das letzte
…die Existenz gleich 2er Lesehilfen gleicher Stärke erwies sich beim Brille-Putzen immer wieder als überaus hilfreich…
Reflexion: akkumulativ, investiv; worauf der Denkende beim Denken später zurückgreift, beim Weiterdenken.
In einer Geschichte denke ich mir mein Leben so ganz anders, bis es nach einem ganzen klingt. Das gibt man drein, das, & all der Rest ist Erfindung.
In Büchern müsste (zum »Schutze der Jugend«, der Alten, Gebrechlichen, was weiß ich) ein Warnhinweis stehen: an Literatur kommt das Leben nicht heran. So (und nicht anders): mach Literatur nie zur Folie des Lebens. & nicht umgekehrt.
Zaudernd, zögerlich, unbeholfen.
Die Bäume stehen in ihrer weißesten Pracht. Die Gefühle für Dich buche ich unter Frühling ab.
ich dachte gerade ans Nichtdenken
Neurotiker*innen sind verletz(lich)/er & nehmen viel mehr wahr, wissen es aber nicht einzuordnen
Du sagst, Du suchtest ein Gefühl – noch, bevor es Dich suchte. Das Dich nicht fand. Vielleicht hast Du Dich zu sehr vor ihm versteckt. Ich für meinen Teil, Du fragst ja nicht danach <und hörtest gern von mir Liebesschwüre>, habe kaum Gefühle; sie haben mich. Ich suche sie nicht, sie mich. Mit nichts anderem kann ich dienen. Ich bedaure es nicht einmal.
Bilanzkrise: Once again.
Jemanden um die Zeit anhalten, Antwort: »Ich bin auch nicht von hier.« – Entgegnung: 1. »Haben Sie’s auch nicht ungefähr?« 2. Entschuldigen Sie, ich wollte Ihnen nicht zu nahetreten.«
Als ich vor Glück überging, versiegte ich & erhielt das Unglück zurück, das beredt macht
Es ist der alte Irrtum, als seien die besten Gedichte & Geschichten mit Herzblut geschrieben. Ungleich besser schreibt es sich mit Tinte. Die Liebe, zum Beispiel, ist beim Schreiben selbst nur ein störender Schwips. Eine Grußadresse ist eine Grußadresse, sie nennt besser Namen, als dass sie behaupte, ein Gedicht zu sein. Schau nur, ich schreibe mit Tinte auf Papier, & was mir gelingt, gelingt mir. Auch & vielleicht gerade dann, wenn mein Leben ganz andere Wege nimmt. Mein Gefühlsleben ist kein Wendemantel für jede*n, & was von dem, was ich sage, wahr ist, wird es nicht erst dadurch, dass ich es bin, der da spricht. Ich sage nur wenig mehr als: man soll den Dichter beim Wort nehmen, aber nicht bei seiner Zunge.
Es wäre vielleicht klug gewesen, wenn ich mit diesem Brief gewartet hätte, bis ich Dich sähe & wüsste, was die zwei Monate aus Dir gemacht haben, denn mich – glaube ich – bringen diese Monate im Sommer am meisten merklich von der Stelle. & dann habe ich in diesem Sommer auch nicht ein Kärtchen von Dir bekommen, & dann habe ich auch das letzte halbe Jahr kein Wort mit Dir gesprochen, das der Mühe wert gewesen wäre. Es ist also wohl möglich, dass ich den Brief da an einen Fremden schicke, der sich über Zudringlichkeit ärgert, oder an einen Toten, der ihn nicht lesen kann, oder an einen Klugen, der über ihn lacht. Aber ich muss den Brief schreiben, darum warte ich nicht erst, bis ich etwa sähe, dass ich den Brief nicht schreiben darf. Denn ich will von Dir etwas, & will es nicht aus Freundschaft oder aus Vertrauen, wie man vielleicht denken könnte, nein, nur aus Eigennutz, nur aus Eigennutz. [Franz Kafka]
Kafka: der Solipsist ohne ipse. [Adorno]
Das Erschauern am Frühstückstisch, das allmählich dir zuwachsende blanke Entsetzen bei der Nachricht, dass die Sonne in vier Milliarden Jahren erlöschen wird. Eine vier mit neun Nullen. Was ist schon eine Null? Du greifst zum Telefonhörer, um von den Kindern <sie wollen erst geboren sein> zu hören, wie es ihnen geht.
Hat jemand je…
Verschiedene Geschichten fließen ineinander. Du erzählst; ich könnte Dir stundenlang zuhören. Ich muss mich sputen, Deinen Worten zu folgen – Du sprichst in einer Geschwindigkeit, in der andere sich langweilen. Dein Gesicht wird mir langsam vertraut, & in Deinen Gedanken beginne ich mich wohl zu fühlen. Schlimmer noch: Du kommst mir nahe. Zu Dir wird mir aller Voraussicht nach noch manches einfallen.
Nicht mit Dir & ohne Dich nicht.
Ich habe Deine Adresse im Telefonbuch gesucht. Damit ich etwas von Dir weiß.
Heute lässt Du mich kalt…
Dass Du von mir glaubst, ich müsse, da der eine schon lahmt, mit dem anderen Fuße umso kunstvoller steppeppen können…
Ich sah mich damals schon in Leer
In einem Gesicht lesen, jemandem tief in die Seele schauen. Etwas an Dir lässt mich fürchten. Nur gut, wie wenig Du von mir weißt. <Irrtum>
Ich nenne Dich bei Deinen Fingern. Zögerlich.
Freund, man erzählte mir, Du wollest heiraten? Was sage ich? Ich schweige. Die Vorwürfe mache Du Dir selbst. Ich verstehe nur nicht, & das mag reichen.
Musst Du denn immer gleich von Liebe sprechen reden?
Reden, zu jemandem sprechen, jemandem von etwas sprechen
Du quittiertest mein Lächeln mit Akribie.
die sich auf die Reise begeben, um mit eigenen Augen eine Stadt ihrer Sehnsucht zu schauen, & sich einbilden, man könne der Wirklichkeit den Zauber abgewinnen, den die Phantasie uns gewährt. [Marcel Proust]
Nicht umdrehen. Kein Zurück. Vergangene Liebe perdu. Was bleibt?
Die Geschichte von dem, der auszog, ohne anzukommen; die niemand kennt.
die gängigsten Gefühle parat
Es gebrach mir an: Dir
Du hast mich überrascht, als Du mich plötzlich doch liebtest.
Deformation professionelle: Der Umstand, dass Intellektuelle meist mit Intellektuellen zu tun haben, sollte sie nicht dazu verführen, ihresgleichen für noch [!] gemeiner zu halten als den Rest der Menschheit. [Theodor W. duweisstschon]
Perforation professionelle
Depression professionelle [2024]
Regression professionelle [2024]
Du bist nie um eine Antwort verlegen. Auf alles weißt Du eine Erwiderung. Nur hast Du verlernt, zu fragen. All Deine Antworten beschweren Dich nur, kennst ja kaum die Leichtigkeit des Ratlosen, der nicht mehr ein noch aus weiß, der sich nicht mehr auskennt, & der doch noch zu fragen weiß. Du bleibst nimmer einen Rat schuldig, denn Du bist die Klügere, stets die Klügere. Mit Deiner Klugheit aber bist Du allein geblieben. <Vielleicht, weil Du Dich auch nicht aufs antworten verstehst.>
Erwachsenwerden: zu Weihnachten feststellen, dass niemand Mühe darauf verwendete, deine Wünsche sich zu merken
An Herzens statt besitze ich den Stein Deines Anstoßes.
Mit meiner Geduld geschlagen. Das
Schön, an alten Gefühlen vorbeizugehen, die, in Worte gehüllt, Patina ansetzten; da & dort lugt ein Sentiment hervor; das hat was; was Peinliches, Sentimentales, dem Du lieber nicht auf den Grund gehst. Fremdelnd. Besichtigung eines fremd gewordenen Lebens. Denn: Nostalgie, zumal die rückwärtige, ist mir nix. Ich neige am ehesten zur vorwärtsgewandten, der »Schweeeermerei«, die’s mit der Zukunft hält
Auf Grundeis…, der Arsch
Ich wage, Dir ins Auge zu schauen. Ich erkenne Dich nicht. Die Blicke fremdeln. Ich komme nicht auf Deinen Namen, der mir einmal so viel bedeutete.
Ich schaue mir die alten, starken Frauen an, & immer haben sie ihre Männer überlebt. Vielleicht ist das der Sinn der Männer: dass die Frauen an ihnen wachsen. Zu was sonst wären wir nütze? Ich denke, es gehört den Frauen nicht das Morgen, sondern das Alter. Heute schon. Nur überleben müssen sie. Jeweils: ihn.
Nun, warum soviel Aufhebens, nicht – ich nehme ein Stück (denn ich kann nicht mehr, als ich Dir gebe, & ich werde – ja) ein Stück von meinem Herzen, packe es sauber ein in ein paar Bogen beschriebenen Papiers & gebe es Dir. [Franz Kafka]
Ich liebe Dich grund- & bodenlos.
Ich liebe grund- & bodenlos.
Einen Traum liften – die für die psychoanalytische Deutung zensierte & zugerichtete Fassung…
Alte Sehnsucht: Um uns Sintflut; Arche bauen. Die Sintflut kommt nicht über, kommt von uns.
Der Liebe einen jeweils neuen Namen geben…
Der Liebe einen jeweils neuen Namen geben (einen auf Dauer)
Ein Hotelzimmer, das ich allein nicht ausfülle. Aufwachen, um anzukommen. Vergebliches Tasten der Sinne. Das Telefon auf dem Nachttisch & das Neue Testament in drei Sprachen. Nach etwas suchen, das mich Dir näher brächte. In dieser Stadt verbindet uns gar nichts, & wo denn sonst. Hier sein, um nicht dort zu sein. Um Abstand ringen. In einer fremden Stadt zieht es mich hinaus. Ich hätte gerne vier Augen, um zu sehen. Die Stadt riecht anders, noch fremdeln die Sinne. Ich nicke jemandem zu. Es ist hier zu schön, um Dich zu vergessen. Ich spüre allmählich: ich finde nicht zurück. Auch: eine Frage des Wollens
In der Blüte ihrer Jahre legte sie die Hände in den Schoß. Sie kehrte der Welt den Rücken, den geraden. (Ihr Mann rief ihr noch etwas hinterher, was wir getrost vergessen dürfen.) Wer sie kannte, wusste, dass sie gut daran tat.
Neulich sah ich – zum ersten Mal – Katharina Hepburn. Die ist großartig & hat sehr viel von Dir. Hat man Dir das noch nie gesagt? [Walter Benjamin an Gretel Adorno]
Sie wünscht sich ein Kind (von ihm), um nicht so allein zu sein (mit ihm).
Nur allzu gern nahm er sich ihr gegenüber ein Gefühl heraus.
Jemanden totlachen (Judenwitz).
Das Glück zweier Hände beieinander.
Irre werden, oder eben nicht, Von Auschwitz reden, um nicht von Auschwitz zu reden.
Seine Zunge hinkte (Moshe) <mir das Herz>.
Ich fühle mich wie jener Niederländer, der, gehörlos, in gestochenem Deutsch sagt: man ist fremd, wo man steht.
Trittbrettfahrergefühle.
Die Diktatur der Auslassung. Willkürliche Interpunktion.
Wenn ich den Blick auf die Geschichte werfe, habe ich die Gegenwart (und, mehr noch, die Zukunft) im Nacken Rücken. Immer fordern die Heutigen, die Künftigen ihr Recht, als wären es die Gestrigen & Ewiggestrigen, die den Blick zurückscheuen; oft sind sie es, die das Recht der Folgenden im Munde führen. Aber die Geschichte ist da, besser, wir haben sie (im Sinne von: uns angeeignet), als dass sie uns hat -. Kehre ich der Geschichte den Rücken, schaue ich in die Zukunft (wo ist das?), werfe ich einen Blick über den Tellerrand des Heute, schaut eine Fratze zurück. Wer bist Du, frage ich. & so geht es tagein, tagaus.
Variation: Besser die Geschichte im Blick, als im Nacken
Ich legte mein Herz auf den Tisch, & Du suchtest etwas darin, mit spitzen Fingern & Blicken, wie wenn Du in Deine Handtasche schaust. »Ähnlich unaufgeräumt«, sagtest Du lachend. Du legtest etwas hinein & gabst es mir zurück. Es wog etwas leichter.
Besser ungeliebt als
so ge
liebt sag
te
sie
Hingespien & vergessen.
Als könnte man so einfach vergessen; denen, die vorgeblich vergessen haben, merkt man die Mühe an, die es kostet. Besser, sie erinnerten (sich, jemanden, sich an jemanden, wie auch immer); »Das Fehlgehen des Erinnerns« [Sigmund Freud] ist ein Leichtes, der Normalfall.
[von »Du erinnerst mich an…« ausgehend:] Erinnere Du! mich! nicht! an wen?
Deine Augen laufen über. Keiner, der mit Dir weint.
Zerstäubtes Lächeln.
Ein Bettler träumte von einem Millionär. Als er aufwachte, traf er einen Psychoanalytiker. Der erklärte ihm, der Millionär sei ein Symbol für seinen Vater. »Merkwürdig«, antwortete der Bettler. [Max Horkheimer]
<Zaghaftes Eingeständnis:> meine Liebe hat wieder einen Namen, lachte ich (nur kurz).
Man liebt nur einmal; was sich nicht erfüllt.
Die »Germanisierung des Holocaust« – die Kinder der Täter verlangen das ©opyright zurück.
Die Glorifizierung der prächtigen underdogs läuft auf die des prächtigen Systems heraus, das sie dazu macht. [Theodor W. Adorno] Der Rechtsextremist als Modernisierungsverlierer (Wilhelm Heitmeyer) – Täter zu Opfern wie Schwerter zu Pflugscharen. Achjott, lest doch mal bei Adorno vorbei!
Für Dich hatte ich mir meine eigene Geschichte zurechtgelegt, von A bis Z
Entblätterte Worte.
3-D-Breitwandgrinsen.
ich fasse es nicht ungleich zeitig wachsen einem die Freunde zu & nichts hinter lässt Spuren wirklich
Niveadosendeckelblauer Himmel.
Leben aus zweiter Hand. Erzähle Du mir was vom Leben!
Man möchte meinen
Sie ist willkürlich lieb.
Man täte ihr unrecht, wenn man von früher spräche…
Meine Befindlichkeiten kommen & gehen.
Ich sitze hier bei Dir. <In mir ist alles gegangen.>
Das Misstrauen ihren Orgasmen gegenüber, Sally im Ohr
Mein Herz zerspringt (Steinbruch)
Ich kannte mal ein Gefühl frag mich nicht
Einst nannte ich meine Liebe zärtlich bei Deinem Namen, der mir heute ein Fluch ist.
Ich bin bekennender Einzelgänger.
Dein Lächeln legt sich wie ein Sturm auf meine Lippen. Wir lassen es liegen. (a loaner)
Du erinnerst mich an die Zukunft.
Ich weiß mit unserer Liebe nichts mehr zu beginnen.
Ich habe es nicht eilig gehabt, & es eilt noch nicht. Ich gedulde mich auf ein gutes Wort von Dir.
Das stimmt nur beringt. (Freudscher, die fixe Idee von der bürgerlichen Ehe)
Weil Du es bist, weil etwas von Dir etwas in mir zum Klingen brachte, gehen meine Gefühle auf einsame Reisen.
Aber, lachte ich, ein Gefühl wie dieses habe ich nicht alle Tage parat
Die Träume werden flügge.
Ich dachte mir nur meinen Teil.
Ich bin empfänglich für & für <Dich>
Schreiben, wo nur Stottern ist.
Ein Blick hinauf, verträumt, vertraut, vertraulich. Mondsüchtig, fast. Einem Gedanken folgend, der an die irre Hoffnung sich hält, es kreuzten sich zweier Blicke auf dem Weg dorthin. Er schaut zurück.
Clair de lune. [Claude Debussy]
(In der Laube brennt kein Licht.) Blau schimmert das Laub in den Fenstern, Regen prasselt auf das kupferne Dach. Die Zeit steht still. Aug’ in Aug’ geben die Finger einander Rätsel auf. Das Glück nimmt ihnen fast den Atem. Das Herz pocht ganz leise nur. Noch säumt der schwindende Tag die Worte, die keiner sagt. Es verstummt auch die Nacht nun, ganz sacht. Sie frösteln. Man sieht sie kaum.
Was weiß denn ich…
Eine anständige Ehe wäre erst eine, in der beide ihr eigenes Leben führen, ohne die Fusion, die von der ökonomisch erzwungenen Interessengemeinschaft herrührt, dafür aber aus Freiheit die wechselseitige Verantwortung füreinander auf sich nähmen. [Theodor W. Adorno] Dieses vor Augen, im Sinn, taugte ich nicht zu schnellen Abenteuern. Dies als Erklärung, als Ausdruck späten Bedauerns. Manchmal hätte ich den Anspruch tiefer hängen sollen
Dichters Traum: Aus Wörtern Worte machen
Beuge zwischen Hals & Schultern
Der Mond hat jetzt Tag
wer wird denn gleich –
Tränen, die mir auf der Zunge liegen
Wenn sie mitten in der Nacht aufwachte, konnte s geschehen, dass sie leise zu weinen begann; leise genug, um ihn nicht zu wecken. Er schlief immer tief genug. Sie hätte dann auch kein Wort von ihm vertragen, & sie war froh, dass er schlief; nur wäre es ihr lieber gewesen, wenn er das nicht in ihrer Nähe getan hätte. Marijke hasste die Männer für ihren guten Schlaf neben den weinenden, guten Frauen. Auf eine wirkliche Begegnung rechnete sie nicht mehr. Immer wieder hoffte sie auf etwas Bleibendes, das aus der Liebe zu einem Mann hervorgehen könnte, oder wenigstens auf ein Gefühl der Geborgenheit, in das sie sich schmiegen könnte. Marijke suchte ein kleines Gefühl, wenigstens, das ihr ein Zuhause wäre. Keiner der Männer blieb für länger, jedenfalls nicht so, wie sie es sich wünschte. Die große Liebe zu ihnen endete an der Bettkante, oder wo immer sie ineinandersanken. Es blieb nur ein schaler Geschmack nach von all den Wünschen & von dem Verlangen, das sie bis in den letzten Nerv durchflirrte. Immerhin das. Männer & Frauen, dachte sie, & sie entschied sich für das & dazwischen.
Früh erworbene Senilität. Midlife-crisis mit sechzehn. Aus mir möchte etwas werden; was? ich bin.
Früh verstorben
Oud en nieuw: afscheid nemen van het verleden. Als wij pas een jaar geleden oud en nieuw vierden, dacht ik niet dat het onze afscheidsavond zou kunnen zijn. Maar wij vierden afscheid (je begroef onze liefde met een glimlach). Ik begreep het niet, kwam niet mee. Ik bleef terug met mijne oude gevoelens. Mijne handen waren leeg, en ik hield ineens maar van een schaduw van jou. Pas later wist ik woorden te vinden. Vandaag vier ik oud en nieuw, opnieuw, maar alleen. En ben gelukkig, gelukkig. Gelukkig alleen.
Narziss erwacht.
Gedicht als Denunziation.
Draußen blühen irgendwelche Blumen. Warum?
Träume auf Soda & Eis.
Ich Du Dich. Verpasst.
Irgendwie die Maßstäbe verloren. Irgendwie.
Kaum 4 Stunden ertragen wir uns im Guten
Lüstern & lustig <Nuance>.
Einbauküche. Einbaufrau. Mann, der von der Stange kam.
Dir/ sann ich nach, als/ als sei es/ es das erste/ erste Mal, ich habe/ habe keinen Vergleich/ mehr mehr, oder/ ich hab’ ihn vergessen. / Du/ Du warst/ anders/ & ich.
Spoedige desertie.
»De minnaars die blijven verzuchten: jij bent te goed voor mij, ik ben jou niet waard, moeten ernstig gewantrouwd worden: óf ze menen het niet en kunnen daarom niet van je houden, óf ze menen het niet en dan zeggen ze het bij wijze van tactvolle waarschuwing voor hun spoedige desertie.« [Renate Rubinstein, Liefst verliefd]
Ich hätte mir was Entscheidendes gewünscht, es kam was Entschiedenes
Manchmal: manchmal bin ich mir selbst genug; wenn Du mir einfällst, werde ich einsam.
Enteignet ist seine Sprache… [Theodor W. Adorno]
Die Sonne schien wie beknackt, & die Leute strömten an den Fluss, den sie nun in aller Buntheit säumten. Die Elbe gab die Folie ab für die Vielfalt, die sich in ihren ersten Frühlingskleidern & in den Gesichtern Raum suchte. Ich war plötzlich so unsagbar glücklich, denn ich mochte es, jetzt in dieser Menge zu sein, Teil von ihr, aber mein Glück für mich – ja, ich genoss es, inmitten der anderen allein zu sein. Natürlich wünschte ich mir, dass Du wie durch einen Zufall zu mir kämest, dass Du hinter der nächsten Ecke gleich hervorkämest, so allein & doch glücklich wie ich, & wir gingen ein Stück zusammen, würfen unser Glück ineinander… die Sonne ließ mich träumen & an manches glauben, wofür es keinen Anlass gab. Ich war so besoffen vor Licht wie alle anderen.
Du bist noch bei mir als Chimäre der…
Ich stellte meine Schuhe vor die Tür & alle Bedenken daneben.
Max war auf diese Zeilen besonders stolz, da sie lebten – in ihnen pulste etwas von dem, was er empfunden hatte, & er erkannte es ohne Mühe wieder, mehr noch: etwas davon reckte sich in ihm & erhob sich, ließ ihn sich leichter fühlen. Beschwingt, wie beschwipst, las er es noch einmal, & wieder & wieder. Je näher ihm die Worte beim Lesen kamen, mit je mehr Glück sie ihn erfüllten, wuchs auch der Einwand gegen sie. Er wusste, dass die Empfindungen, die sich seiner bemächtigten, eine Sprache gefunden hatten, die sie nicht mehr ihm allein erklärlich, zugänglich und, zuende gedacht, verfügbar sein ließen. Max hörte sie leise fragen: »Was fällt Dir ein, aus Deinen Gefühlen zu mir eine Geschichte zu machen?« Sicher, er hätte ihr erklären können, dass die Wörter sich von beiden abgelöst hätten, als er sie schrieb, so schrieb, doch waren sie ihr & ihm auf die Haut geschrieben. Wenn aber eine Geschichte so sehr sich verengt auf Menschen von Fleisch & Blut (das sind wir doch alle, sagte Maasman), was bleibt von ihr mehr, als für sie? Das Glück gehörte in die Welt, fühlte Max, & nicht nur noch ihm & ihr. Das Schiff, das er daraus mit einiger Mühe falzte (er hatte zwei linke Hände, doch das war nicht zu seinem Schaden), schwamm anfangs ganz ruhig hinaus. Als es in den sachten Wellen verschwand, spürte er etwas von dem Schmerz des Glücks, von dem man lässt, & es kommt nichts mehr danach, was ähnlich schmeckt. Er hätte sie ihr gerne vorgelesen, wenigstens das, doch kannte das Märchen am Ende nur wieder die vergiftete Spindel, das Leben, das Unglück, das aus dem Glücke herrührt, ihm entspringt, sich seiner bemächtigt & es in die Pein verkehrt, vor der die Sehnsucht ein Himmel ist. Auch, wer die Wahl hat, hat die Qual. (q.e.d.) [Aus dem Max-Zyklus]
Eine tragende Rolle
Ohne mich: wäre es wahr; dachte ich. Die Welt wäre ohne meinen Mund ehrlicher; ehrlicher wäre die Welt ohne meine Hände. Ohne mich: wäre auch diese Lüge wahr.
Gehofft, dass du kämest
Im Übermut sagte ich einmal: den Tag, an dem ich nicht liebte – besser, ich hätte nicht gelebt. Ich liebe heute noch: zu leben.
Wenn du & ich uns träfen; garantieren…
Sie hatte es plötzlich eilig, nachhause zu kommen. Sie wusste, dass ihr Herz Gefahr lief, auf Abwege zu geraten; mit aller Kraft versuchte sie, vor ihm anzukommen.
Die Lüge wusste er würde / offenbar werden, wenn / man’s genau / besähe & W. / hielt dicht
Er hatte viel gewartet, erwartet, sich was erhofft; mehr als genug.
Sätze schreiben, von denen jeder nach etwas aussieht.
Trauerränder, Jahresringe unter den Augen.
Liebe, wer wird denn gleich – ein solches Wort verdient einen großen Zaun
Deine Worte erinnern mich an die Entengrütze auf dem vor sich hin schwappenden Tümpel.
Ich habe mir immer Deinen Fuß in meiner Tür gewünscht
Max nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche (er hatte sonst immer auf ein Glas bestanden). Von fahrigen Bewegungen seiner Finger begleitet lächelte er in sich hinein – man sah es ihm nicht an, & wer denn auch was? Das Wasser stand ihm bis zu den Augäpfeln, einen Kloß im Hals, der sich nicht fortspülen ließ. Dumm kam er sich schon vor, wie er dasaß, mit dem Selbstmitleid, zu dem er früher nicht fähig war. Ein Freund legte ihm die Hand auf die Schulter & nickte. (Randy Newman: Texas Girl at the funeral of her father…) [Aus dem Max-Zyklus]
Zwischen ihnen klafften die Tage wie eine offene Wunde. Es gab nichts, was sie hätten tun können. Er wies die dargebrachten Sentimente zurück, gönnte sich & ihr nicht den kleinen Rausch, der vergessen macht – Tragöden sind immer im Dienst [Peter Rühmkorf]).
Close your eyes, give me your hand, darling, do you feel my heart beating, do you understand, do you feel the same, am I only dreaming, is this burning an eternal flame? I believe it’s meant to be, darling, I watch you when you are sleeping, you belong with me, do you feel the same, am I only dreaming, or is this burning an eternal flame? Say my name – sun shines through the rain, a whole life is so lonely and then you come and ease the pain, I don’t want to lose this feeling. [The Bangles]
Er schrieb wie für sie, & das Papier wehrte sich nicht: »Die Träume, über die sich die Bilder lagern, die mir, aus Filmen & Schlagern vertraut, manchmal näher sind als Du. Selbst als Du. Wenn Du mir zwischen den Zeilen abhandenkommst, gerade dann bist Du es, die ich im Augenwinkel noch zu sehen glaube. Meine Träume sind meine Träume & geteiltes Leid ist – ja, was?« Ein Geruch von Herbstlaub lag ihm im Sinn.
Die falschen Gefühle zur rechten Zeit, & das rechte Bewusstsein im [zum] Falschen.
Autoerotiker [Solipsist]
Variation: Austroerotiker
Die Frau, die mich scheinbar ignorierte, sich aber mit kleinen Gesten auf ihrem Sofa, auf der befeindeten Treppe, zum Beispiel, vor meinen Augen mit feinen Bewegungen inszenierte, begann mich weiter zu interessieren; ärger noch
So, wie er das Zweierlei sich dachte, war er nur bedingt gesellschaftsfähig, wiewohl er den Begriff der Gesellschaft dem der Kultur gelegentlich deutlich vorzog.
Zum Marxisten fehlte ihm etwas, das wahrscheinlich auch Marx nicht hatte
»Unbeirrbar«, das Grauen bekommt Kontur
lieber ungefähr als eigentlich – so hat jeder seine Präferenzen. Bei der Verwendung des Wortes eigentlich sollten besser Alarmglocken schrillen [Jargon der Eigentlichkeit]
wenn Du irgendwie sagst, halte besser inne
Die den Jüdinnen & Juden nach Auschwitz »gewährte Schonfrist« sei heuer vorüber, schrieb jüngst ein Freund aus Down-Under.
Auf der Suche nach Großvater kamen mir seltsame Bilder in den Kopf.
Nicht zu wissen, was sie taten. Soldaten, aber was heißt das schon? Sie haben ihren Teil getan, aber welchen? Beschämt durch das Ungewusste. Vielleicht: mehr nicht wissen wollen…
Seine Liebe sperrte sich.
Ich tröstete mich nicht mit… mehr oder weniger
2 | Es trugen zwei sich
schwer an Gedanken, die
einer allein nur
schwerlich erträgt.
Wie? dachten sie; & als
wär’s nicht genug: warum ?
Zusammenleben.
Der Backenbart sagte: Eine
Backe wär’ ohne
die zweite
eigentlich
keine.
Der Rochen sagte: Eine Flosse
ohne
die zweite, Genosse,
müsst sinken.
Der (Nasen-)Flügel sagte: Ich
allein
wäre kein
Zinken.
Mir würd der Leute Geklimper
auf mir
st-inken.
Das A des Reims schrie:
ohne B kein Klang.
Der erste Takt (ultimativ):
ohne die andren
kein Gesang!
– Leise schummelten die zwei (vom Anfang) sich
in den Schlaf. Nebeneinander.
Wen wundert’s,
Du Schaf!
In so einer Nacht: Blinder unter Blinden.
Da fällt mir aber ein Herz vom Stein
Sie tröstete sich mit ihm über einen anderen hinweg. So was kann halten, aber wie
Ich für meinen Teil schau mir den Verfall nicht länger an <Beteiligung oder: Augen zu & durch>.
Ich habe Oldenburg in mein Herz geschlossen. Somehow
Es könnte sein, dass man in Oldenburg davon wusste
Vom Baum der Erkenntnis, von Gut & Böse essen.
Zukunft ist von außen wiederkehrende Erinnerung; daher hat die Gedächtnislosigkeit keine. [Ulrich Sonnemann]
Verschwendeter Augenblick. Du schaust gleitend weg.
Er erklärte sie zur erogenen Zone <sie zuckte mit den Schultern>.
Der mit seinen Toten lebt.
Du unter der Dusche. & die Duschen von Natzweiler. Ihr Wasser erwärmt vom Krematorium. Dann Du wieder, unter der Dusche. Du fragst: Was hast Du? Nichts, Du würdest es nicht verstehen. Es war ja auch nichts, fast, für einen Moment. <KL Natzweiler, Elsass>
In meinen Gedanken zynisten Sorgenvögel.
Lehre Du mich die Quadratur des Kreises.
Jede Woche hat ihren Freitag.
Was weiß ich…
Weißt nicht, wie & wann; nicht einmal: was.
Hach! Ist’s? lustig? Lass! Es! Sag! ob? nicht!… Kein? Ach! Blass. Ruhig. Und? Na! Sehn
sucht. Du verstehst Dich noch darauf?
Als. Als ich einmal den Kopf schief legte & die Schultern hängen ließ. Du fragtest nicht, als. Als. Als ich mal alles nur so fahren ließ, fragtest Du. Warum? Der Kopf liegt mir schief, die Schultern hängen mir. Nur so. Ich habe Gründe. Dich; als.
Ein 1-A-Begräbnis.
Ganz schnell ganz viel schweigen <Effektiv>.
Das Gefühl, missbraucht zu werden.
Leidenschaft: sie sammelte all meine Bedenken.
Ostseestrand | Ein Wegsaum, dort, wo die Wellen nur knapp hinreichen, wo der Sand noch nass, aber doch fest genug ist, dass es sich auf ihm leicht gehen lässt. Da, zwischen Wasser & Sand. Der Wind, der mit der Welt versöhnt, von klagendem Möwengeschrei angefüllt & von salzigem Meeresgerausch. Atmest Du & gehst voran. Die Sonne glitzert hinab. Immer weitergehen, weiter, in den Horizont hinein. Wenn langsam das Licht & die Wärme schwinden, die der Wind noch mit aller Macht Dir ins Gesicht blies. Das Meer macht Dich vor Glück besoffen. <Prost!>
Das kann geschehen, wenn ich verglühe…
In Rostock legte einer an, der gar nicht abgelegt hatte
Es roch nach nassem Grün aus langer Ruhe erwachender Bäume.
Den Nobelpreis mit Dir gewinnen
oder aber
glücklich sein
beides ist mir
nicht gelungen
mit Dir
Er gestand ihr: »Mit mir lässt es sich gut leben, & auch ohne mich lebt es sich recht & anders angenehm.« Sie nickte kurz, sah ihn nicht an, stand auf & sagte: »Eben«, ließ alles stehen & liegen & ging. (Er hat sie nie wiedergesehen.)
Manchmal steht sie vor dem Spiegel & hält ihrem Blick nicht stand.
Sie war zu gut (für mich): Bestätigung meines guten Geschmacks.
Schwalbenflughände. So stellt er es dar, seitdem sie fort ist.
Sie hängte sich in einen Ast; so wiegte sich ihr Körper nie zuvor. Die Glocken der nahegelegenen Kirche schlagen zweimal Einsamkeit. Mühsam hält sein Herz dagegen <whome the hour bells>.
Durch Offenbarung Verrat üben.
Sie hing durch & durch
so wog ihr Körper nie zuvor
Ich legte den Kopf in meine Hände, da, wo sonst Deine waren. Zur Abwechslung weinte ich um mich, statt um Deiner. Ich liebte das Leben. Das Kopfschütteln des Arztes genügte. Man lebt nicht ewig, dachte ich da. Gut, den Abschied geübt zu haben. Es hat mir nicht gereicht. & tapfer (bin kein Held, zuletzt!) bis zum Schluss. Man stirbt. Allein. Letztlich. Meine Metastasen behalte ich für mich. Ich will, dass sich mein Sterben in die Länge zieht, denn tot, das bin ich schon noch lang genug. Ich lege den Kopf in meine Hände. Zur Abwechslung weine ich um mich. Ich liebe das Leben. Es hat mir noch lange nicht gereicht.
Kassiber aus der Normalität.
Ich liebe sie persönlich
Ich war nie so verrückt, wie ich dachte.
Sie fingert mit ihren Blicken an mir herum
vor ihr steht er immer etwas mehr auf einem Bein [Hillel verus Schammai]
Er sagte: zu Vorträgen lädt man mich nie 2mal ein. 1mal oder immer wieder
Wie mir mein Thema zur Falle ward
Würde <deutscher Konjunktiv>.
Kein Freispruch, Antigoné: die Frauen gebären die Krieger
Schulterschluss der künftigen Opfer: & jetzt alle!
Ich weiß nicht mal wo
Des Unterdrückers Hände sind rot von Blut. Die Idee stirbt mit ihren Opfern. Bringt große Worte mit roter Tinte zu Papier. (Zur Probe.)
Mit Schüssen aufgewachsen. <Vietnam>
Bonn (langer Marsch) oder Poona (gesellschaftliches Recycling ehemals subversiver Köpfe).
Er nahm ihre Hand, & sie gab sie ihm. Das war erst der Anfang. Alles legte er ordentlich, auf Kniff gefaltet, über den Stuhl am Fenster. Als sie sagte: »Ich hätte gerne meine Seele anbehalten«, war es mehr als zu spät. Das war das erste Mal. Inzwischen sagt sie, für einen guten Wein lasse sie jeden Mann stehen.
She’s got a way about her, I don’t know what it is, but I know that I can’t live without her. She’s got a way of pleasin’, I don’t know what it is. But there doesn’t have to be a reason anywhere. She’s got a smile that heals me, I don’t know why it is. But I have to laugh when she reveals me. She’s got a way of talkin’, I don’t know why it is. But it lifts me when we’re walkin’ anywhere. She comes to me when I’m feeling down, inspires me without a sound. She touches me and I get turned around. She’s got a way of showin’ how I make her feel, and I found the strength to keep on goin’. She’s got a light around her and everywhere she goes a million dreams of love surround her everywhere. She’s got a smile that heals me, oh, I don’t know why it is. But I have to laugh when she reveals me, anyway. [Billy Joel]
Gelegentlich fühle ich mich überholt, 70er Jahre eben.
In Frankfurt zu landen, heißt in Deutschland anzukommen; Orly ist Europa.
Max hatte lange nicht an sie gedacht. Er hatte sich da & dort als Liebhaber versucht. Gelegentlich glaubte er, ein Gefühl zu entdecken, aber das trug nicht weit. Er war ihr treu geblieben. Einmal schrieb er ihren Namen auf jemandes anderen Rücken, nahm er erschrocken wahr.
Europa. Eine fixe Idee. Idée fixe.
Jetzt war es raus, & der Herrg“tt (ER hatte ihm immerhin eine echte Chance gegeben) verstieß ihn ein für alle Mal. Vielleicht würde ER ihn als Filialleiter eines Edeka-Marktes nach Paderborn schicken oder als niederländischen Quizmaster reinkarnieren lassen – in Strafen schlug der Herr den Teufel um Längen. Sie lächelte, als käme sie gerade von einer Beerdigung. Nun war gar nichts mehr zu retten. Verlegen schaute er auf den regennassen Asphalt, als er die schwere Maschine wieder anließ. Grußlos fuhr er in die Weite des Horizonts, zwischen den Zähnen ein Schwefelholz, aber im Kopf nicht mal mehr eine dieser alles paralysierenden Melodien, die ihn heimsuchten, oder aber seine Hände, wenn er am Klavier saß & sie sagen ließ, was er selber einer Frau nie hätte sagen können, & es wäre ihm gar nicht eingefallen. Dass er das Leben liebte, genau! so! & etwa das. Doch das kam immer um Lichtjahre zu spät. (Am nächsten Morgen fanden sie ihn irgendwo zwischen den Catskills & Paderborn. Sie sagten, er sei noch warm gewesen. Rosacoke schluckte heftig. »Tod ist kein Zahnschmerz«, dachte sie.)
Kein Vor- & Nachher, ohne Hauptgericht; kein Anfang, kein Mittelteil, kein Ende. Das Vage. Die Blödheit einer entfernten Hoffnung. Die fixe Idee mit großen, unbedaunten Flügeln. Die Lächerlichkeit auf Socken. Leere, angeschlagene Gläser. Wortgeklingel nur. Ein leerer Briefkasten. Du um Mitternacht vor verschlossener Tür, oder summend auf der Straße. Bilder, nix als Bilder. Ein kleines Elend hinter geschlossenen Augen. Schließungen allenthalben
Keines! der Schicksale die / er sich aus/malte/ waren schlimm/ ge/nug wie/das
Leben/darin/ lag faust/dicke/Lüge
Vorm fünfundachtzigsten Geburtstag eines in allen Stücken wohlversorgten Mannes legte ich mir im Traum die Frage vor, was ich ihm schenken könne, um ihm wirklich eine Freude zu machen, & erteilte mir sogleich selber die Antwort: einen Führer durchs Totenreich [Theodor W. Adorno]
Von Angesicht zu Angesicht:
||: angesichts meines angesichts meines :||
Deine Worte sind mir feind, nicht Deine Lippen.
»Frauen sind nur Ersatz für Jazz« (das musst Du aufschreiben denkst Du).
Das Aufrichtige erst im Schrei gefunden
Für 100 Jahre gedacht. Scharfes Denken verletzt.
Ich dringe zu Dir nicht mehr vor.
Wir haben uns nie geliebt. Nur ich sie. & sie vielleicht mich. Wie spät ist es gleich? (Ungleichzeitigkeit)
Beredter Autismus.
Mit meiner Angst bestehe ich jede Probe aufs Ganze.
Die Genoss_inn_en sprachen von ihrer Linie; der Bourgeois in mir dachte an: Brigitte-Diät. [GENDER-BUZZER!!!]
Marmor, Stein & Eisen… alles, alles geht vorbei, doch ich bleib’ mir
Traulicher Augenaufschlag, gute Miene zum bösen Spiel.
Der Funktionär, der sagte: »Lassen Sie mich mal denken«. Der andere legt eine Denkpause ein, wo er doch einmal damit anfangen sollte.
Die Haut ist mir zu lang verwaist.
Mach weg, lass mich im Pathos verweilen. Posen suchen. Die werten Leiden des jungen M.
Sich feilbieten. Haut zu Markte tragen. Ich fühl’ mich gut (an).
Der Boden unter meinen Füßen abgrundtief. Dass ich Flügel bräuchte.
Ein Hormonstoß, der für das Glück erst empfänglich macht. Ein Mensch, er ringt ebenbürtig mit der Welt, ringt sie nicht nieder & sie nicht ihn. Er möchte, dass Sterne schnuppen, dass die Bedeutung, die er dieser Wandlung beimisst, Bekräftigung findet in einem Wink, der nicht aus ihm herkommt. Er möchte einem Urteil trauen dürfen, dass sich ihm von außen aufdrängt. Es soll nicht nur ein Rausch gewesen sein. So teilt sich ihm die Welt doch noch mit, wenn die letzten Barrieren fallen. Die Tränen im Augenwinkel aus Wasser & Salz. Er nimmt Anteil.
Komisch. Man sollte nie jemand etwas erzählen. Sonst fangen sie alle an einem zu fehlen. [Jerome D. Salinger]
Du lässt mich sowas schreiben.
Funktion: Beamte greinen nicht <Rückseitig (bestempelt): Sachlich richtig>.
Ich konvertierte zum Pädagogen.
Erlebtes Glück erst birgt den Kern der Revolte. Es ist ja ein unermesslicher Luxus, sein bisschen Leben auch noch teilen zu wollen
Vielleicht liebt es sich nur einmal, & auch das muss vergehen
Ich ließ die Beine baumeln. Eine Ahnung befiel mich wie Schnupfen. Die Häuser spiegelten sich in der Gracht, oder die Gracht in den Häusern.
Ich habe Dir meine Seele verkauft, & Du zahltest mit ungedeckten Wechseln. <Zirkulationssphäre>
Er schnippte die Zigarette mit seinem Lächeln ins Off.
Ik dacht aan jouw gezicht. Ik probeerde iets te herinneren van jouw glimlach. Ik keek naar je ogen, jouw glimlach maar een beetje beneden.
Unter Kastanien sitzend schaue ich durch das Laub in den Himmel. Bläue & Grün, die vermischen sich nicht. Vom Nachbartisch fällt mir ein Blick zu, der schmeichelt. Ein Fahrrad quert den schattigen Platz. Von fern her ein Glockengeläut. Der Kellner ist nur ein Raunen & halb so alt wie ich, wie mir scheint. Ich schaue etwas sehnsüchtig zurück, als mich der Glanz ihrer Augen streift. Sie geht, & ich bleibe sitzen. Die Welt ist klein genug, zu hoffen. So liebt es sich sommers in Delft.
Denke Du Dir etwas anderes als die Liebe. Ich bleibe dabei: ich bleibe dabei.
Bleib nur (dabei)
Lach Du noch einmal allen [meinen] Ängsten Hohn.
Ich kann mich deiner nicht erinnern. Nur dich
Wie viel leichter ein G“tt- denn ein Menscherbarmen.
Sie schminkt sich jeden Tag die Welt so zurecht.
So, wie sie den Hörer hielt, sprach sie mit ihrem Vermieter, aber als sie an unseren Tisch zurückkehrte, sah ich ihr an, dass es ihr Freund gewesen war. Ich senkte den Blick, um ihr wieder in die Augen schauen zu können. Es gelang nicht, & also ließ ich es. Wir waren zu fünft, da fällt das nicht auf. Manchmal stellt mir meine Monogamie ein[en Klotz ans] Bein.
Eine verirrte Träne & die verlorene Form.
Wenn ich unter Weiden sitze, in denen Harfen hängen, ist kaum ein Hochkommen
Ich sah mich schon heimfahren nach New Jersey & meiner Familie verkünden: Als ich oben in New England war, habe ich eine wunderbare junge Frau kennen gelernt. Ich liebe sie & sie liebt mich. Wir wollen heiraten. – Heiraten? Warum so überstürzt, Nathan? Ist sie Jüdin? – Ja, das ist sie. – & wer ist sie? – Anne Frank. [Philip Roth]
Dein Lächeln biegt das Leben (r)und mir die Lippen. Wir lassen es liegen.
Auch ein Huhn ist unter den Einäugigen König. Einer sei des anderen Schmied. Schmiede Deinen Nächsten wie Dich selbst.
Am Morgen verließ er die gemeinsame Schlafstatt, & sie blieb noch liegen. Er ließ ihr nur wenig von dem Glück da, das er empfand. Es stand in sein Gesicht geschrieben, & ab & zu roch er an seinen Fingern, um sich an sie zu erinnern. Durch diese Finger war sie gegangen. Sie waren sich nahe gewesen. Nicht nur, weil sie es verstanden hatten, die Nacht auf allerengstem Raum miteinander zu verbringen, ineinander verschränkt & verschlungen, einen eigenen Rhythmus suchend, findend usw. Sie waren jeweils sich & einander nähergekommen, in sanften Worten, zärtlichen Gesten, vorsichtigen Berührungen, mit tastenden Fingern, suchenden Lippen, alle Sinne hatten sie schließlich aufgeboten, um aneinander zu wachsen, um miteinander ein Glück zu finden, das nicht gleich & allzu bald nicht zu Staub zerfiele. Sie hatten einander umspielt & erkundet, als kennten sie sich nicht, & also ja durch & durch, & darum fiel ihnen das Eingeständnis nur umso leichter: sie liebten, & das machte auch irgendwie Sinn. Frag mich nicht, wie. Bei Licht betrachtet bleibt nur wenig davon. Der Schlaf der Vernunft bringt, so heißt es, Ungeheuer hervor. Es kippen die Gedanken leicht in das Nichts; beseelendes Glück auf leckem Schiff. Die Tür fiel leise ins Schloss.
Man lebt so lang wie man sich fühlt
In meiner Haut möcht ich stecken
Ich bin wie der Schneemann, den wir für unsere Tochter bauten
Liebe, sagte er, sei kein Problem für einen aufgeklärten Menschen, wenn man nur weiß, wohin damit.
Traum: etwas schreiben, das die Aufschrift: Vorsicht! Buch verdient.
Apostrophied Jew.
Wir versuchten so etwas wie einen Kuss.
Variationen; streichen & gestrichen stehen lassen. Wenn jedes Dementi seinen Gegenstand so deutlich stehen ließe…
Magersucht: abnehmende Klage
Nachgetragene Gefühle <Bitter>.
Gnom: Mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen Lügen haben kurze Beine da hat es der Kopf nicht so weit zu fallen Ikarus grinst sich eins
Ich legte mir meine Worte zurecht, die ich Dir sagen wollte. Hier, höre, ich habe sie gerade dabei, aber sie taugen nicht. Denk Dir, in der Liebe bin ich anfangs feige <»Mir ist nach Anfang zumute«>.
Während ich an Dich dachte, wartetest Du an Deinem Telefon auf einen Anruf von mir. Ich wusste nicht, warum ich Dich, & Du warst Dir nicht sicher, ob ich Dich liebte. Ich hatte Dich gewarnt, mich nicht ernst zu nehmen, & Du nahmst mich ernst. Aber worin? Es ist um so vieles leichter, Dich ganz unverbindlich zu lieben, dachte ich, als ich mal dachte, aber es gefiel mir nicht. Denn Du verkamst mir zu einer Idee, aber ich ahnte ja, dass Du aus Fleisch & Blut warst. (Ich liebte Dich ja mit allem, was ich in Dir sah, & mit dem, was mir verborgen blieb, mit ganzem Herzen, aber mit ebenso leeren Händen.) & das musste wohl reichen. Ich rief nicht an, weil ich auf einen Brief wartete, den Du nicht schriebst, oder auf ein Wort, dass Du nicht sagtest. Jetzt warte ich auf den Tag, an dem ich sagen kann: & heute können wir darüber nur lachen.
Als sie ihn fragte, ob er beten könne, murmelte er: »Baruch atta Adonai, Elohenu, melech ha-olam – & das muss genügen!«
Irgendwo ankommen
Ich halte »cultural appropriation« für den Inbegriff des Kulturellen. Anders müsstest Du Dich zum Beispiel im Runen-Schnitzen üben. Kultur heißt: Aneignen. Anders blieben wir blöd
Ein Ziel vor Augen. Im Nacken
Silvester. Komm, gucken! Einen Blick geworfen, hinter die Dinge. Ein neues Jahr & raus wie rein. Das Weltbild sausen lassen. Es gibt uns. Noch. Augen auf! & durch. Komm. Etwas tun. Die Welt verändern. Nicht erst morgen.
Ich weiß, dass ein Mädchen nicht so einen Brief schreiben sollte, aber wenn man sechs volle Jahre in Schweigen verbracht hat & in der Erwartung dass derjenige, den man liebt oder was man von ihm hören möchte um beruhigt zu sein – dann kommt der Augenblick wo man eben selbst sprechen muss um zu beweisen, dass man da ist. Ich habe jetzt gesprochen. & ich bin hier. Gute Nacht Wesley, Rosacoke. [Reynolds Price]
Ich kenne Dich viel zu kurz. Wo warst Du gestern (und warum nicht hier)?
Beliebigkeit: ich könnte Filialist einer niederländischen Einzelhandelskette sein.
Ich kannte ihn, aber was heißt das schon.
Liebeserklärung: ich sage nichts mehr ohne meinen Anwalt.
Der Wunsch, im betulichen Mittelmaß noch Niveau zu halten.
Es könnte sein, dass ich Dich folgenlos liebe.
<Paris> Sie waren zu dritt & sie lachten. Sie summten leise les temps des cerises. Was immer auch wir beide machten, dies Glück erreichten wir nie. Die Kirschen waren zu hoch gehängt, der Sommer längst vorbei. Die Sehnsucht still im Wein ertränkt, war mir das einerlei.
Deutsche Demokratische Replik.
Er: einer der stillhält; ein Umstand, den sie bedauert: er.
Ein Wort wie: Vergaser. Aufrichtiges Unbehagen in den Grenzen von 1933-45.
Antisemitismebuikpijn [Karel Logher] [Antisemitismusbauchschmerz]
Lidschluss zu Nacht, trauliches Ende.
Der Trinker, dessen Träume nur gerade von hier nach da reichen. Immer im Kleister. Der mehr trinkt, als er spricht.
Traute!
Das Elend 2er, die ihre 2 Leben in eins bringen wollten, ohne je selber eines zu haben
Krautfunding
Pollke [1] warf einen Blick durch die Scheiben hinaus auf den Hafen. Die Fenster schlossen dicht – keine Ahnung von Tuten & Blasen. Der abendliche Rotdunst machte sich drüben breit. Die Sonne kippte gerade rechts hinten runter, & an den starren Hälsen der Kräne entbrannten die ersten Sterne. Das Telefon schlug kurz an, & er winkte ab. Mit einem Blick, der nichts mehr zu sagen hatte, wischte er von links nach rechts alle Bedenken fort, & sein Kopf folgte damit einer steten Bewegung, zu der er allein nicht mehr fähig war. Das Gelichter flimmerte durch den horizontal das Bild querenden Zug hindurch, ließ schemenhaft & vage Konturen an den Fenstern erkennen. Menschenskinder, dachte Pollke mit einem etwas ungenauen, warmen Gefühl. Jetzt nicht sentimental werden, rief er sich selber zu. In Hamburg sitzend, das war sein Schicksal, wünschte er sich immer woanders hin. Pollke saß gern dort, mit Blick auf den Fluss, in der Stadt, die seiner Sehnsucht Beine machte. Mit den ausfahrenden Schiffen ließ er auch immer wieder von seinen Gedanken, die ihn nur noch beschwerten. In seinem Kopf legten die seltsamsten Ideen an von einer Welt, die groß genug war, um darin ohne Not allein zu sein. Wenn Pollke sich am Ohr kratzte, war ihm, als gehe ein Lächeln durch die Luft. Dann ging er gerne noch hinaus auf den Balkon, nahm einen tüchtigen Zug frische Brise wie vom Meer, blähte die Lungen & lächelte halbseitig. Es konnte passieren, dass ihm dabei eine Sehnsucht abging. Er starrte hinaus in das Dunkel & suchte fröstelnd nach einem vertrauten Ton. Das war dann Pollkes Art, Abschied zu nehmen.
[Pollke 2] Wenn Pollke aufs Meer schaute, schaute das Meer zurück. In seinem Blick war immer mehr… Als ich ihn zum letzten Mal sah, saß er da vor dem Edeka-Markt im Ostseebad. Seine Augen waren gerändert & rotgeädert, wässrig. Er lallte was, wobei in seinen Mundwinkeln gar nicht dünne Speichelfäden sichtbar wurden. Bei aller Abgerissenheit hatte er etwas Verletzliches, das ich von mir kannte, & ich überwand mich & setzte mich zu ihm. »Das‘s’n unbekannter warmer Moment«, raunte er, & ich fixierte ihn überrascht. Da lag Würde drin… »Wie heiss’n du?« fragte er, & ich sagte: »Max« & er: »Angenehm.« [bedeutungsvolle Pause] »Pollke«, & er wies mit beiden Daumen auf sich. Dann begann er von sich zu erzählen, recht zusammenhanglos, immer von Pollke in der 3. Person. Ich hörte ihm nur mit halbem Ohr zu & versuchte, die Blicke derer zu ignorieren, die uns befremdet musterten, ihn & mich. So abgerissen er war, rang ich um Fassung. Das blieb Pollke nicht verborgen & er raunte mir zu: »Biss’n So-ze-ahl-romantiker, dassu dich mit mir abgibss?« – »Ich muss mal weiter«, antwortete ich ertappt & er schlug mir mit der rechten Hand aufs linke Knie & sagte: »aber dann lassma‘ ‘ne Mark da…«. Ich grabbelte verlegen nach Euro-Münzen & er meinte: »‘n Fuffy tut’s auch…« … »bin aber nich‘ korumpierbar«, schob er nach & lachte. »Nie nich‘!« lachte ich zurück & gab ihm Einsfuffzich. »Sach ich doch«, konterte er, »Das war’n unbekannt warmer Moment…« – ich: »für uns beide…« & das letzte Wort hatte wieder er: »mein‘ ich ja.« [Übergang zum Max-Zyklus]
Spucknapfphantasie: der Himmel spuckt Näpfe. Das malen können; Tempera-Farben auf Krepp-Papier.
Blasphemie: ein G“tt, der auch für Paderborn Verantwortung trägt
Wer aber schriebe Dir ganz am Rand einen Satz wie ich liebe Dich Subjekt Prädikat Objekt
Gedanken schweifen, Beine baumeln lassen
Ambivalenz sei sein Status, Ironie seine Religion, & die Parenthese sein Rosenkranz…
Der Wein & die Stunden: verräterische Freunde.
Mein Herz zwischenlagern, mein Lieb
Marilyn Monroe: ihre Beine machten Geschichte, mit einem Fuß schon im Grab, ungeheuer kokett, unsereins noch im Schritt begriffen.
Politisch habe ich immer wieder richtig aufs falsche Pferd gesetzt
Wo wir gestern uns liebten, ist heute ein Fleck. Der Rest, nämlich wir, ist lange schon weg.
Pseudonym: Mamser.
Ze heeft haar handen om zijn gezicht gelegd en kijkt naar zijn ogen, de poriën op zijn neus. Dit heb ik al die tijd gewild, denkt ze. ‘Dit heb ik nu al die tijd gewild,’ zegt ze, zo plotseling dat ze er van schrikt. [Helene Weijel]
Regenbogen: wer biegt den Regen noch.
Herr Doktor: bin ich wirklich so hässlich, wie ich aussehe
Du küsst unabwendbar gut die Worte weg
Ode an Annemarie: Du bist wie mein Spucknapf – unersättlich & immer voll
Hochzeit zu Kanaan; kein Wunder: auch bei mir werden aus zwei Gläsern leicht vier
Ich bin nicht & ich weiß wohl
So wurde ich Friedhofsfackel. Allmähliche Annäherung
Du hast einen Nerv bei mir getroffen. Der Nerv war ich
Sie sagten: der ist ja verdammt zum lieben
Wie kann sie einen anderen lieben, da sie mich nicht kennt <nur so>
Sag’ Du ‘s mir
Antisemitismus & Homophobie erscheinen als Eingedrucktes auf einem Ticket, das von der Angst vor der Vielfalt menschlichen Lebens kündet; Homophobie ist dabei Heterophobie, die Angst vor dieser Vielfalt
»Ik denk dat niemand mij morgen mist« <bei klemmender Klotür der Welt auf Wiedersehen gesagt>
Schwüle Stunden
Eine große gegen eine kleine Wahrheit tauschen
Hastewas bistewas
Du nimmst mir die Worte
Mit Dir warm werden
Die Sonne, die das alte Haus abschreitet. Der Apfelbaum, an dessen kahlen Zweigen Schnee taut, Tropfen perlen zu Boden. Sehnsucht nach Weidenkätzchen, erstem Mückengeflirre. Ein Butterbrot mit Hagelslag (Schokoraspel, Du Dussel) & am Daumen noch Pflaumenmus. Auf der Fensterbank ist es schon warm; solange, bis die Stirn ans Glas kommt. Draußen ist Sonntag, drinnen Langeweile. & umgekehrt. <Kindheitserinnerung> [Aus dem Max-Zyklus]
Gelegentlich
wünsche ich
mir nicht
mehr und
nicht
weniger
Ik keek in jouw ogen en zei: ik hou van jou! maar tegen de reflektie van mij zelf. <Ich schaute in Deine Augen & sagte: Ich liebe Dich! zu dem Spiegelbild meiner selbst.>
Wie ich am Dienstag starb
Schweigen ist stets affirmativ & erhöht die politische Wirksamkeit. Du schweigst den Status Quo (bestenfalls)
Wenn Du von unserem Glück sprichst, denke ich an das Unglück, das Du verschweigst, wenn Du von unserem Glück sprichst.
[Franz] Schönhuber hat mich in die SPD getrieben [Mai 1989]
Wenn nicht Du von unserem Glück sprächest, wer dann? Du erinnerst mich an die Welt.
Deutschland: Furcht aus Kenntnisnahme.
Zusammengezählt: den »Tag der deutschen Einheit« (3. Oktober) verbracht beim Zahnarzt in Los Angeles, in Amsterdam, auf Samos, in Groningen, manchmal in Dänemark, seltener hierzulande als draußen, & das war gut so…
Dichtung. Sie machten aus dem Leder der Schuhe aus Auschwitz Dichtungen.
Thalassale Regression: Salomé sprach »& besser ergeht es dem, der ungeboren dem Elend unter der Sonne entging.«
Wenn Worte brüchig werden.
Du hinterlässt ein Loch <im Nichts>
Neurosen schmücken ungemein
glaubst Du?
Ich sagte Du zu mir
Beruhigung, zu lesen: Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen. [Theodor W. Adorno]
Es gibt Schlimmeres, als mit Dir zu leben. Es fällt mir nichts ein. [Punkt-um]
Ohne Dich wäre die Welt weit ärmer
Sie war mir näher
Du kamst gar nicht auf die Idee, mich zu fragen, ob ich Dich liebe
Abschiednahme verweigern.
Er fühlte sich für einen kleinen Moment sehr mutig. Als er die Karte in den Kasten warf. Nur kurz. »Grüße aus Groningen.« [Aus dem Max-Zyklus]
Eine Karte. Sie schaut auf die Handschrift. Sie weckt keine Erinnerung. »Grüße aus Groningen«, steht darauf, & »Max«. Wieso, denkt sie? Willy schaut auf die Stadtansicht. Martinitoren, der Martiniturm. Sie erinnert sich an Groningen, an erste & spätere Küsse, an hingewischte Romanzen, an Treppenstufen & Kneipennächte. Max, fällt ihr ein. Max? Irritierend, denkt sie, & sie versucht, ein Gesicht mit dem Namen überein zu bringen. Es fällt ihr nichts ein. Nichts. August. »Max« bedeutet ihr eigentlich nichts weiter, & sie ist nicht einmal neugierig. Irritiert. Das, ja. Aus einer Art Gewöhnung legt sie einen Finger auf ihre Lippen, & mit einer fahrigen Bewegung wischt sie die Gedanken wie Krümel vom Tisch. Die Karte lässt sie liegen. Groningen, denkt sie, & gar sonst nichts mehr. Auf dem Weg zur Kantine kommt sie mittags an seinem Büro vorbei. »Max«, liest sie, & denkt: Groningen. Aber das nur am Rande. [Aus dem Max-Zyklus]
Wenn Roman Herzog die Tür öffnet macht ihm keiner so schnell was vor. Doch immer andere drängen sich, ihm die Türe zu öffnen. Es nützt nichts nein es hilft nichts aus dem Schatten schält sich keine Einsicht. Armes Deutschland feixte einer der Korrespondenten nur einmal. So siehst Du also aus.
Die Ansichtskarte mit dem verschneiten Fahrrad aus Amsterdam. Ein Glas Rosé. Eine einzelne Menthol-Zigarette & eine Schachtel Streichhölzer (»lucifers«) neben dem Aschenbecher. Ein weißes Blatt Papier, auf dem ihr Name steht. Max tippt nervös mit einem Bleistift auf die Tischplatte. Dieser Name verfolgt ihn. Er hat ihn immer wieder auf den Lippen. »Ich steigere mich in etwas hinein«, sagt er laut & erschrickt selber darüber. Ich kenne sie kaum, denkt er. Ihre Telefonnummer liegt auf einem karierten Zettel neben dem Telefon. Sie könnte auch ihn anrufen, legt er sich zurecht, & wartet. Das ist sonst nicht seine Art, aber was besagt das schon. [Aus dem Max-Zyklus]
Die Du morgen sein wirst macht mich neugierig <schrieb ich als ich noch nicht wusste wer Du heute bist>.
Ich hätte Dir gerne etwas auf den Weg gegeben
Auf dem Friedhof dachte er an den Fernsehkommentator der im Suff einen Eppendorfer Bistrotisch weiter über das Leben schwadronierte als wäre es seins. Das Laub raschelte unter den Füßen & alles roch wie es auf Friedhöfen nunmal riecht. Er verkniff sich einen ernsten Gesichtsausdruck & gluckste breit grinsend leise vor sich hin. Strafe mich Herr rief er nicht mehr mit solchen Gästen oder die nächste Runde geht auf Dich.
Hamburg. Er fühlt sich wohl wie in einer fremden Stadt, deren Gesicht gefällt
Cees erzählte etwas zu großspurig, wie der Analytiker ihn fragte, ob er sich nicht bei ihm analysieren lassen wolle. Nein, habe er, Cees, geantwortet, das wolle er nicht; er sehe nicht ein, dass er alleine für eine Erfahrung bezahlen solle, bei der noch gar nicht ausgemacht sei, wer den größeren Nutzen davontrüge. Eilig lachte Max ein noch gerade höfliches Stakkato, behielt sich jedoch vor, bei Gelegenheit darauf zurückzukommen. [Aus dem Max-Zyklus]
Papa erklär’ mir den Krieg um eine Antwort verlegen
Max lässt den Löffel fallen. Das ist es, denkt er. Sie ahnt gar nichts von ihrem Glück! Er ist erleichtert. Ihr Schweigen geht nicht persönlich gegen ihn. Einen Moment lang trägt das. Mehr nicht. [Aus dem Max-Zyklus]
Wie richtest Du Dich ein <über dem Abgrund>?
Das Telefon klingelt. Die Linde vor dem Fenster wiegt sich im Wind. Es ist niemand zuhause. Die Katze stört sich am Klingeln nicht. Sie streckt sich auf der Fensterbank, als genösse sie das Leben, aber was wissen wir. Gelegentlich klappert ein Fahrrad über das Kopfsteinpflaster, & seltener drückt ein Tourist seine Nase an die Scheibe, um hineinzusehen. Die Fremden lassen einen an Gardinen denken. Es dauert eine ganze Weile, bis der Anrufer, die Anruferin aufgibt. Ein Klingeln wie für ein großes Haus. Das nervöse, ungeduldige & beharrliche Klingeln eines Verliebten. Das störende, aufschreckende, verletzte & bedrängende Sich-Einmischen der Frau, die ihren Mann mit seiner Geliebten zugange glaubt. Die Dielen knarren vor sich hin (Holz arbeitet). Auf dem Futon eine Bürste, in der mittellange, dunkelblonde Haare hängen. Willys Haare. [Aus dem Max-Zyklus]
Als ich die Tür schloss, hörte ich sie noch weinen. Begriffen hat sie es erst später.
Du hast mich nie begriffen
Ich liebe sie noch ganz ohne weil & obwohl.
Manchmal muss man sich fremd machen, um sich wieder zu mögen
Es ginge ihm ums Ganze [Das Ganze ist das Unwahre, nachzulesen schon bei Theodor W. Adorno]
Ein Liebesgedicht, das noch nichts weiß von alledem, was der Liebe ein Ende bereitet, um ihm ein »trotzdem« entgegenzuhalten, ist kein Liebesgedicht. Von der Liebe zu reden, schließt den Gedanken an den stillen Tod der Leidenschaft ein, oder es ist weniger wahr als das voreiligste Schweigen.
Liebesgedichte schreibe nüchtern
Liebesgedichte schreibe nüchtern, Nekrologe im Kleister
Zurück geht er einen anderen Weg, um niemanden wiederzusehen.
Es ist August & schlimm genug.
Heute werden in Auschwitz wieder Kinder geboren <auch damals; das Leben geht weiter. Keine Uhr steht wirklich still>.
Du & Deine Brüste, die ich nicht zählte.
Ich hätte mich um Hals & Kopf geredet. Mit jedem anderen.
Buchhaltérisch
Coming Out. Was kommt
Dass alles möglich ist, das uns feind ist
Misstraue Deinen Küssen, die mich mit der Welt versöhnen. Spitze meine Lippen Deinen entgegen.
Du hasst mich nie
Noch ganz andere Krisen in petto
Politische Beteiligung schließt Unbeschwertheit aus. Scharfes Denken verletzt
Dein gleichmäßiger Atem, der noch bei mir ist, wenn Deine Gedanken längst geschwunden sind – ein Lebenszeichen <Warum wache ich über Deinen Schlaf?>
Der aus Zärtlichkeit keine Kinder zeugt <wollte sein Enkel sein>.
Der private, der gesellschaftliche Tod
Als Sozialdemokrat den historischen Kompromiss gegrätscht
Einmal wird es zu spät sein. Rechtzeitig: Aufmerken, aufbegehren.
Jemanden verwerfen.
Freude schöner
Mutlos: in ihrem Leben kann kein Platz für mich sein. Jemand wie sie ist gebunden. Immer schon. Ich mache mich rar, & alles spricht gegen mich, oder dagegen; eben drum.
Du wolltest gelebt werden; dass man Dir alle Hindernisse aus dem Weg räume; nirgends anecken & überall dabei sein; mutig scheinen. Du wolltest den leichten Weg gehen mit dem Gestus des Weltreisenden. Ich aber wollte leben. Eine Weile ging es fast gut mit uns.
Schule. Was sind wir geworden.
Eben jetzt. Wann kommen wir denn an uns selbst näher heran? Kommt man im Bett zu sich oder reisend oder zu Hause, wo uns manches wieder besser scheint? Jeder kennt doch das Gefühl, in seinem bewussten Leben etwas vergessen zu haben, das nicht mitkam & klar wurde. Deshalb erscheint auch oft so bedeutend, was man eben jetzt sagen wollte & einem entfallen ist. & verlässt man ein Zimmer, in dem man länger gewohnt hat, so sieht man sich sonderbar um, bevor man geht. Auch hier blieb noch etwas zurück, auf das man nicht kam. Man nimmt es ebenso mit & fängt woanders damit an. [Ernst Bloch]
Es trug jemand das Licht zur Nacht, da greinte es. Wem fehlte denn die Dunkelheit mehr als dem sich fürchtenden Kinde?
De Groene Amsterdammer – Erinnerung an ein europäisches Europa, das mir mal möglich schien; ein Lebensmittel, da nun Europa deutsch wird. <Wer hat nun eigentlich den Krieg gewonnen?>
Es gibt nichts Harmloses mehr [Theodor W. Adorno]
Das Bild der Geschichte, dieser Geschichte, hat seine Unschärfen da, wo wir es besser wüssten (Auschwitz)
Die noch nicht verwundenen Wunden, die Narben zurückließen; & die wachsen mit Dir-
Bei diesem Thema, erklärte eR (Psychoanalytiker), gebe es nur zweierlei (später wird er, überrascht, das diesen Worten Bedeutung beigemessen wird, sagen, es sei (psychoanalytisch ins Unreine gesprochen): Abwehr nach vorn & Abwehr nach hinten. Ob man ihn damit zitieren dürfe, aber ja doch. Rolf Vogt.
In Warszawa noch Dein Schweigen im Ohr: ein ungnädiger Begleiter.
Letztens sagte ich voller Übermut: ich liebte Dich ohne Dein Zutun
Mit gespreizten Gedanken nach Dir suchen; etwas von Dir erinnern.
Zärtlich: sie klappert morgens für ihn mit Geschirr (noch, wenn er fort ist)
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu; & wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei. [Heinrich Heine]
Die eine Liebe die trägt <lebenslänglich>
Der böse Hintersinn des Behagens, was sag ich? [Adorno]
Ich trage stolz & schwer an meinem Buckel: dass ich Dich liebe
Die Zweisamkeit der alten Frau mit ihrer Wärmflasche (auch wenn 2 beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden? [Prediger 4,11]
Denke Du daran: sich lieben ist einfach; sich lassen schwer.
Bislang bist Du ein Fest.
Jedes Mal, wenn ich von Dir gehe, nehme ich Abschied, als sähen wir uns das letzte Mal. Was wissen schließlich wir? Ich sage »auf Wiedersehen«, & Du hörst nicht auf den beschwörenden Klang hinter dem Wort, Du siehst nicht das leise Flehen in meinen Augen, die Dich ganz gefasst anschauen. Du antwortest mir dennoch mit »auf Wiedersehen«, & die anderen schauen uns verwundert an, denn wir klingen dann immer etwas zu förmlich. Ein stilles Einverständnis: dass wir uns vielleicht wiedersehen.
Flüchtige Augenblicke.
Dieser Planet ist unterwegs, nur: keiner weiß, wohin?
Dass wir einander gewiss seien.
Einander entglitten (5 Jahre später).
Der gleiche Himmel über Holland. Ein Strich, da: der Horizont. Das schnurgerade aufgereihte Dorf an der Straße, links & rechts Gräben, in denen Enten schnattern. Die Frau, die in der Küche steht & mit Töpfen klappert, Het Parool in seine Schuhe stopft. An seiner Stelle – [Aus dem Max-Zyklus]
Mit dem Bus über Stadt & Land, door steden en dorpen. Een meisje die naar mij kijkt, ze vraagt: Waar komt jij vandaan? Ich weiß keine rechte Antwort. Ze lacht: Wat lekker, schuchter, hé? Als sie aussteigt, schaue ich ihr nach. Sie dreht sich nicht um & hat mich längst vergessen. [Aus dem Max-Zyklus]
Wald- & Wiesengefühle.
Für politische Lyrik: Spanier unter Franzosen sein.
Politisches Bewusstsein exiliert. Immer & überall.
Nazis schrieben [1980er, bereits]: »Türkler disariya« – geballte Faust in der Tasche ist keine Antwort.
Jetzt keine Ausflüchte. So wenig ich von Dir weiß. Ohne Dich hängt der Montag schief, vollends.
Ich denke Dich mir in Leer.
Ich wollte mir wenigstens imponieren
Ein Gedanke. Eine Ahnung. Das reicht. Mit meiner Geduld geschlagen.
your slightest look easily will / unclose me / though I have closed myself / as fingers, / you open always petal by petal myself / as spring opens / her first rose / (I do not know what it is about you / that closes and opens; / the voice of your eyes is deeper than / all roses). [E. E. Cummings]
Später werde ich zahnlos grinsen.
Jemandem in die Seele schauen
CDU; Dummheit glättet. Wird Pastor Hintze sich seine Falten noch erwerben dürfen?
Ich möchte G“tt frommen
Es barmt mich G“tt
Liebe: Wie wär’s mit einem echten Gefühl? (Gegenüber Verliebten ein ständiger Plagiatsvorwurf)
Depression anmessen
Das entmündigende Wir zweier, die einander liebten; zu leicht über die Lippen
Meine Worte von damals suchen nach Dir; Du bist ihnen entglitten. Langsam wachse ich daran.
Sich mischen. Ists gut? fragte ich. Dem Kind schmeckt es bei andern am besten. Sie merken nur bald, was dort auch nicht recht ist. & wäre es zuhause so schön, dann gingen sie nicht so gern weg. Sie spüren oft früh, hier wie dort könnte viel anders sein. [Ernst Bloch]
I’d feel like an angry young man <if what?>.
Kindheitsmuster: Das Fahrrad ganz vorsichtig an die Gartenpforte gelehnt; was man auch tut, irgend etwas klappert immer. Die Sonntagshose kratzt. Eine Fahrradklammer noch am Bein (ich dachte früher: wenn Du so was trägst, bist Du erwachsen. Anscheten, Herr Pastor!). Großmutter überraschen. Alle geben sich Mühe, jedesmal. Sie steht in der Küche & schlägt die Sahne. Ihr Mann sucht vorsichtshalber schon mal die Dias von Lugano, die ich gerne gucke. Wehe, ich sag was, dann hab ich es mir besonders mit Mutti verdorben. Opa knipst Dias, auf denen viele rote Geranien sind. Ich darf gleich wieder die Telefonbücher ranschleppen, für unter den Projektor. Höher, höher, tiefer, halt! Halt! Da darf auch Vati seinen Senf dazugeben, fragt immer: »Was meinst Du denn, Gitta?« Mutti antwortet: »Ich halt mich da raus.« (und kugelt die Augen, wenn sie denkt, dass nur Vati & Omi es sehen). Omi lässt Opa erzählen & schenkt immer Kaffee nach. Hier gibt es nie nur Aldi-Brause, echte Coca Cola. »Trink nicht zuviel davon, dann kannst Du heute Nacht nicht schlafen. Da ist Koffein drin!« Oder Kaffee mit viel Milch & Zucker, »Kinderkaffee«. Andere Kinder kriegen Muckefuck bei ihren Omas. Meine Mutter nennt mich Mucki. Beim Diasgucken lässt sich unbeobachtet popeln; aber nur, wenn ich mich unter den Tisch lege, wo keiner mich sieht. Es ist dunkel, aber man braucht keine Angst zu haben. Wenn ich müde werde, lasse ich nur noch einen kleinen Schlitz meiner Augen offen, um das Rot der Geranien zu sehen. Opa erzählt & erzählt, & wenn Vati was sagt, tritt Mutti gegen sein Schienbein (»Dass Du immer mit ihm dis-ku-tieren musst…« auf dem Rückweg). Wenn ich nicht wüsste, dass draußen das Fahrrad steht, würde ich jetzt müde werden. Es ist noch ein Stück Klitschkuchen da, »für den Kleinen«. Ich darf die Rosinen rauspuuuhlen & liegenlassen. Ich geh kurz ins Bad, lass die Klospülung rauschen (nie beim Draufsitzen) & wasche mir heimlich die Finger. Wenn ich den Kuchen gleich esse, soll es nicht nach Popeln schmecken. & ich will keine Bakterien essen, die man nicht schmecken kann. »Bakterien« – später, wenn ich erwachsen bin, fallen mir auch solche Wörter von selber ein. Wenn Opa den Fernseher anstellt, also fünf Minuten danach, sagt Mutti: »Ja, dann wollen wir mal.« Mutti & Vati gucken sich vorher schon immer so an, & ab & zu tritt Mutti Vati unterm Tisch. Omi winkt bis um die Ecke. Opa ist nicht zu sehen, der bleibt im Haus & ruft nur kurz »Tschüß« aus seinem Fernsehsessel & lutscht Nimmzwei. Gerne würde ich nach einer Runde Fahrradfahren noch einmal heimlich zurückkommen, ganz allein, & durch das Küchenfenster sehen, wie Omi abwäscht. Ihr würde ich sogar gerne beim Abtrocknen helfen. Dann hätte ich Omi mal für mich allein. Auch, wenn sie immer wieder lachend erzählt, ich hätte ihr das Maumau-Spielen mit viel Schummelei beigebracht – nur, weil mir nicht alle Regeln gleich auf einmal eingefallen sind, sondern nach & nach. Zuhause gibt es noch Würstchen mit Kartoffelsalat. Das Badewasser gurgelt & im Fernsehen läuft die Hitparade. »Maaama, Du sollst doch nicht um Dajinen Jungen waajnen«. Im Kinderzimmer liegt ein Bravo-Star-Schnitt; davon verstehe ich noch nichts. Wenn man die Nagelbürste über das Handtuch reibt, klingt das fast wie Zähneputzen. Mit einem flüchtigen Blick noch das karierte Jackett von Peter Frankenfeld gesehen. »Aber jetzt ab ins Bett!« Gutenachtküsse, Erwachsene dürfen länger aufbleiben, Kinder nach Alter gestaffelt auch. Ich werde wieder einfach abgeschoben, wo ich doch noch gar nicht müde bin. Müde genug, um mich zu fürchten & in den Schlaf zu wimmern (»Kaajner hat mich lieb«> . Die Dunkelheit kriecht über die Bettdecke. Die habe ich fest um mich gewickelt, damit mich der Bär unter dem Bett nicht kriegt (von dem habe ich neulich Nacht selber geträumt; bin ihm nur haarscharf entkommen. War fast wie im Kino, nur echter, weil ich da mitgespielt hab. Dann muss man sagen: »Ist ja nur ein Traum!« – hilft aber meistens auch nicht.) Ich blinzle nach dem grünen Nachtlicht in der Steckdose. Als die Tränen futsch sind, bin ich wirklich müde. Ich nehme mir vor, mutig zu sein, aber morgen ist auch noch ein Tag.
Du dementierst jedes Deiner Gefühle für mich, die es zusammenzutragen gälte, dass daraus Liebe würde.
und was ich liebte, brachte ich um [Francois Villon]
(den Verstand; ich werde da zahm).
Jouw lachen, een smaak van Amsterdam.
Eine Entgegnung auf die Königskinder <es waren 2, die hatten einander so lieb, die konnten zueinander nicht kommen, das Wasser war ja so tief, das Wasser war so tief (& jetzt alle!)> suchen.
Um etwas ringen, das es nicht gibt.
An der Welt so langsam irrewerden. Gut, die Tür zu schließen, die Augen <Gelegentlich>.
Wärmedämmende Worte, Liebesinvestmentfonds.
Ik voel mij een geëxileerde Nederlander. Ein Niederländer findet sein Exil immer zuerst in Holland, sagt Bram.
Ganz persönlich: »Ich liebe Sie!«
Lamed Wofniks. Dazugehören.
Intellekt schändet
Ich hänge am Ast meiner Wahrheit.
Von Teufels- nach Ravensbrück
Frühlingsregen das hat schon einigen Gefühlswert, hé?
Dein Fernweh rührte mich
»Berliner Republik«. Sich überhebender Anspruch. Wenn er gefüllt wird wie heuer Berlins Straßen & Plätze, dann gnade uns G’tt. Großmannssucht, sterile Arroganz mit Weltgeltung. Durch die Bonner Straßen pfeift derweil der Wind. Früher hielt ich die Bundeshauptstadt am Rhein für Ausdruck von Westorientierung & Bescheidenheit, technokratische Funktionalität, allenthalben. Nun ist sie nur noch klein & Mittelmaß. Aber auch die Amtsstube in den großen Bauten Berlins bewohnen mediokre Krämerseelen, nunmehr mit sich überschlagendem Geltungsdrang. Es bleibt etwas von der Frontstadt Westberlin, vielleicht die Überheblichkeit & das Mauern. Flucht vor den historischen Schatten mit einem Anspruch auf eine »Normalität«, die in diesen Mauern nicht gelingen kann. Deutschland kehrt in seine Mitte zurück, & ich bleibe besser im Westen & suche mir etwas Neues. Das Alte, was hochkommt, kommt nicht nur mir hoch. Hinter den Fassaden dieser Republik stoße ich auf verwaltete, parfümierte Fäulnis. Back to the 20’s. Gerade erst in der Bundesrepublik angekommen, entgleitet mir die Vision, mich doch noch einzugewöhnen. Heimisch werde ich unter diesen Umstanden nicht. Meine Nostalgie hat keinen Hafen…
In meiner Haut möchte ich stecken <wenn Du mich anschaust>.
Ungläubig geworden an G“tt
Ich habe Dir nie die Gräber gezeigt, die mir etwas bedeuten
Sie war mir entrückt. Jenseitig.
Es sind die Zeiten, zu denen ich Dich vermisse, namen-, zahllos.
Choreographie der Emotionen
Pogromstimmung
Manchmal möchte sich auch der Nichtschwimmer bestätigt sehen,,,
Zu wenig. Man ist mit sich allein. Mit den anderen zusammen sind die meisten auch ohne sich. Aus beidem muss man heraus. [Ernst Bloch]
Du bist mir fremd geworden mit Deinen fremden Fingern. Legst Hand an mich, lügst meine Ecken rund.
Too good to be true. [Tom Robinson]
Hand aufs Herz: Am Arsche feist sitzt Dir die Hand <die meine>, weil ich dort (wie Du ja weißt) Dein Herze fand.
Du lässt den Schmerz nicht los, gekränkte Antigoné, es ist gut Spielen mit Zuckertränen.
Im Taunus die bange Frage des Fischkopps: Was für ein Meer muss hinter diesen Deichen liegen!
Regt sich nichts zwischen Lid & Lied.
Ein Reflex zog mich nach Hannover <Was sonst?>.
Das Kollektiv, dem ich mich zugehörig fühlte, an dem ich niemanden teilhaben lassen wollte, das es nie gab. Nicht gibt. Das bin ich. Daran kranke ich.
Wenn er jemanden liebte, dann nur sich selbst. Wehe dem, der diese harmonische Beziehung störte <Autosymbiotiker>.
Sie möchte gern, wenn er geht, gleich liegen bleiben. Da, wo es noch warm ist, von ihm. Die Kuhle, die er ins Bett schlief. Sie schätzt ihn auf 140 Pfund, & dann am meisten.
Einmal liebte ich eine Frau, von der ich nie lassen werde
Warum sollte ich eigentlich sterben? lachte er. Warum?
Bewerbungsschreiben: Sie könn’ mich gern haben…
Die Revolution, von der er damals träumte (nur wieder: träumte!), sie hätte zarte Finger haben sollen & zärtliche Blicke statt Guillotinen; aber [auch] daraus wurde nix (es blieb bei zärtlichen Fingern, Blicken & mehr), die Revolution blieb aus & das war vielleicht auch gut so; denn mit einem wie ihm war weder Revolution zu machen, noch irgendein anderer Staat (‘n ganz lieber, eigentlich)
Auch Kleinstadthelden werden älter…
Es falle ihm, sagte er, leichter, sie zu lieben, wenn sie nicht da sei. Verzehrende Liebe 2er, die nicht zueinander, nicht miteinander – [‘s waren 2 Königskinder…]
Der Ouzo aufs Haus wog alles andere nicht auf. Er lispelte leicht bei den ersten Worten, die er wiederfand
Psychoanalyse: säkularisiertes Rabbinertum [abzusetzen gegenüber Hans‘ Befürchtungen, die »Arisierung« der Psychoanalyse als »große deutsche Behandlung« sei anschlussfähig.]
Der Triumph der Mediokren hat einen Namen der mir gerade nicht einfällt [aber doch]
Kindheitsmuster: Esspapier. Oblaten (die zum Essen, nicht die zum Sammeln). Der Milchmann, bei dem man lose Milch kriegt (blödes Wort, nech?). »Du musst Dich eben wehren!« Muttis Klopfen an der Fensterscheibe. Bevor es dunkel ist, muss ich reinkommen. Oben klingeln, weil ich keinen Schlüssel hab wie die anderen (»Ihr seid doch keine Schlüsselkinder!«) Manchmal gehen wir Kinder bis zum Bäcker. Ich bin der einzige, der Bescheid sagen muss, wegen der Mitschnacker. An der Straße ist langweilig, & am Bahndamm längs ist gefährlich. Aber wir kennen die Löcher im Zaun & haben üüüberhaupt keine Angst. Wundertüten hasse ich, weil ich mich an Puffreis überfressen hab (von den Scheißschachteln im Kaufmannsladen, wo Lenor & sowas draufsteht). Brausepulver Prickelpitt, wer hat sich sowas tolles nur einfallen lassen! & Lakritzschnecken zum auseinandertüdeln. Maren hat damit Schlauchschlucken geübt, als ihre Mutter wegen was mit dem Magen im Krankenhaus war. Ich hätte fast gekotzt (darf Mutti gar nicht hören, das heißt nämlich »spucken« oder »übergeben«; aber eben hab ich ja auch schon Scheiß gesagt). & Plastikmuscheln mit so’nem Klebzeug zum auslecken. & Wassereis aus dünnen Beuteln. An klebrigen Fingern bleibt in der Sandkiste der ganze Sand hängen. Auf dem Spielplatz gibt es eine Pinkelecke, darf aber keiner wissen, »wenn Du nicht dichthältst !« Manchmal heißt es »Hautze, hautze, immer in die Schnautze!« aber dann verpiss ich mich besser. Ich habe zu wenig Muckies, sagt mein Bruder. Dafür habe ich aber eben meinen Bruder (»das sag ich meinem großen Bruder!« ist besser als »das sag ich meiner Mamma!« Lieber ein Schisser als eine Petze!), mit dem ich drohen kann. Nur vor meinem Bruder nicht. Neulich hatte er Nasenbluten, & ich kann doch kein Blut sehen! Haben wir beide geheult. Ich nochmal, als ich ‘nen Tropfen davon in meinem Handtuch fand. Ich hab mich einen Tag lang nicht abgetrocknet & einen halben nicht gepopelt. Das ist aber niemandem aufgefallen. Wenn ich groß bin, möchte ich ein bisschen lispeln, nur ganz wenig, & einen langen schwarzen Bart haben. Auf Auto pfeif’ ich, wird mir immer schlecht drin. Wenn ich Geburtstag hab, mag ich nicht ins Treppenhaus gehen, weil Frau Meier immer fragt, wie alt ich bin. Ich kann nicht anders, ich sag es ihr, & sie sagt dann immer: »So alt wird ja kein Schwein!« Das sagt sie nur zu mir, obwohl Vati einen Tag später Geburtstag hat. Manchmal denke ich über »die armen [N*Wort]« [das sagte man damals leichtfertig so] nach, weil die nichts zu essen haben, & ich mag mein blödes Schulbrot nicht (schmeckt so nach Ranzen!). Wenn man gut liest, kriegt man in der Schule ein Sternchen, & für ein Sternchen zuhause fünfzig Pfennig (das sind zehn Lakritzschnecken oder ein Mordsoschi Prickelpitt!) Ich denke beim Lesen immer gleich an Prickelpitt. Geschenkte Bonbons nehme ich übrigens nicht an, & zum selberkaufen bin ich zu schüchtern. Wenn die andern gehen, kann ich ja nicht kneifen. Meine Groschen lege ich dann selber hin. Ich kann mich nur immer so schlecht entscheiden. Am liebsten von allem etwas. Ich will mal Millionär werden, aber darf das meinem Bruder nicht sagen, weil der Reiche nicht mag. Ich will ja auch gar nicht alles für mich haben. Vati spielt Lotto, & sonnabends unterhalten wir uns oft, wie das ist, wenn man ein Haus hat, & wie wir es einrichten würden. & der Schulweg soll nicht zu lang sein. Ich geh noch nicht lange zur Schule, & Vati immer noch. Wenn er mittags heimkommt, sind die Satteltaschen voll mit Sachen von Aldi. Einer seiner Kollegen lacht über ihn, weil er da einkauft, & Opa rümpft die Nase. Der Kollege ist aber auch Doppelverdiener, sagt Mutti, & Opa ist irgendwie bei allen unten durch. Mein Bruder sagt auch, Aldi-Cola schmeckt wie Pisse (aber nicht, wenn Mutti oder Vati dabei sind). Dann kennt er aber keine Pisse, sage ich, weil die riecht schon ganz anders! Mutti arbeitet nicht, damit wir keine Schlüsselkinder sein müssen. Die anderen Kinder kriegen aber häufiger Miracoli (das ist nämlich kinderleicht & ratzfatz gemacht!). Alles hat seine zwei Seiten, sagt Vati. Ich werde nie heiraten, auch Maren nicht, obwohl sie ein Mädchen ist & ganz nett. Auch wohnt sie ganz dicht bei uns. Aber wenn wir sowieso umziehen, wenn Vati im Lotto gewinnt? (Jungens sind eigentlich alle ziemlich blöde, immer Fußballspielen & selten Verstecken oder Kriegen. Ältere Mädchen reden immer nur von Pferden, was ich auch blöde finde, & meine Schwester liebt sogar Pierre Briece. Wenn all so was nicht wäre, wäre ich lieber ein Mädchen; auch weil Vati sagt: »Ein Junge weint nicht«. Wenn ich das alles erzähle, erklärt Mutti mir manchmal, dass ich eigentlich eine Kathrin oder Susanne hätte werden sollen. Käme ich mir aber auch ziemlich blöd vor.) Ich frage mich (und sollte mal meinen Bruder fragen): wenn ich nicht Millionär werden kann, dann vielleicht Doppelverdiener?
Große Gefühle ließ er gar nicht erst aufkommen
Willy sprach ihm in Rätseln, aber er begriff schnell genug, dass das, was sie sich zurechtgelegt hatte, eine liebevolle, zarte, fast zärtliche Zurückweisung all seiner großen Gefühle sein würde. Sie wollte ihn nur eben nicht verletzen; mehr noch: sie suchte nach einem Weg, ihn kaum spüren zu lassen, was sie ihm sagen musste. Max sah sie an, wie man in einen matten Spiegel hineinsieht. Sag nicht, dass es Dir leid tut, dachte er, & sie hielt sich daran. Er lachte & bemerkte selber kaum die Verzweiflung, die ihn noch sagen ließ: »And now something completely different.« [Aus dem Max-Zyklus]
Du fragtest mich, ob das Leben nur eine Metapher sei, & ich schloss an: »und wenn ja, muss ich mich dann noch rasieren?« (zu dicht an Woody Allen, zugegeben, aber so war das nun mal…)
[Gerhard] Schröder am Zaun des Bundeskanzleramtes, rüttelnd: »ich will hier rein!« (hat geklappt) Juso-Vorsitzende Nahles (»So machen das Männer«) hinterlegt Haarklammer auf einer Toilette des Kanzleramtes. Bei meinen 3 Terminen dort habe ich keine Haarnadel zur Hand – was soll ich auch auf Dauer im Staatsratsgebäude?
Wer trüge nicht schwer an Dir
Ich halte inne, mitten, in dem, was ich tue. Ich gebe den Dingen Deinen Namen, & ich suche irgendwo etwas, das an Dein Gesicht erinnert.
Ich vermisse Deine tastenden Finger.
Sie verzieh ihm nicht, dass er eine andere liebte; weil er, wäre es anders gewesen, sie geliebt hätte, & das hätten sie beide gut vertragen; aber es war anders gewesen
Mit welchem Unbehagen er den Zug besteigt um mit größtem Unbehagen abzufahren um mit größtem Behagen zurückzukehren um der nächsten Trennung vorzugreifen um nicht an die vergangenen zu denken um nicht an die Zurückgebliebenen erinnert zu werden. Mit welchem Vergnügen.
»Niemand möchte mit Dir tauschen«, sagte sie ganz ruhig. Er spürte, dass der Tumor wieder gewachsen war mit ihrem Mitleid…
Vorsichtig brachte er seine Gefühle wieder ins Lot.
Nichtig war er nie, nichtig nicht, aber ebenso wenig was Anderes. Präsent, ja – beängstigend präsent, & sie zollten es ihm mit Schlägen
Die Geschichte von dem Maler, der nicht mehr malen wollte.
»Das bloße Meinen ist das verdinglichte, aus dem Zusammenhang gerissene, isolierte, abstrakte Bewusstsein par excellence – nicht nur antisemitisches Meinen, sondern jedes Meinen überhaupt. Das Produkt des eigenen Kopfes wird – & das ist der Erkenntnisschritt über den Rationalismus hinaus – affektiv besetzt. […] Das zur Meinung verdinglichte falsche Bewusstsein wird affektiv besetzt & festgehalten; Kritik an ihm erscheint als Angriff auf die meinende Person; die im Antisemiten verkörperte Figur der sich im Recht fühlenden verfolgten Unschuld nimmt jetzt allmählich Konturen an. ‚Man wird doch wohl noch einmal sagen dürfen…« [Hannah Arendt]
Den möchte ich sehen, der mir das nachmacht, sagte er so blöd müsste man sein
Sie hatte sich gleich etwas ganz Großes vorgenommen…
I would like to tell you a story out of my young life. When I was at about four years old, a Jewish Robin-Hood-dream came up to my mind. I told my mum: »Mommy, I want to become a real man!« My mother looked at me somewhat frightened; maybe she thought of a mixture of John Wayne, Spencer Tracey, Ernest Hemmingway and Walter Mitty. I continued: »I want to become a real man. I, I want to have large hands to pull violently on the tables of the rich people. I want to have large hands to cover the faces of the crying. I want to have a soft and tender voice so I can speak to the children, and I want to have a loud voice for calling back the soldiers. Mommy, I want to become a real man.« She grinned at me meaningless, and hyper-nervously, she asked: »W-w-what, what a-a-a man?« I repeated to her with a voice close to that of Boris Karloff, for I had come to the most severe conclusion of my life: »I want to become a real, a real man, like Rosa Luxemburg.«
mélodie d’amour / maladie de mort.
Kurz, es reicht; Sie haben schon begriffen, dass ich war wie meine Holländer, die hier sind, ohne hier zu sein: ich war gerade dann abwesend, wenn ich am meisten Raum einnahm. [Albert Camus]
Nordsee: als erstes den alten Mann zum Meer gesucht.
Rotweintrunken in Schräglage geraten.
Könntest Du mich probehalber ernst nehmen?
Aus einem übermütigen Brief: Sehr geehrter Herr, sehr geehrte Frau…, soll man nicht grundsätzlich von Zeit zu Zeit einen guten, kurzen, knappen Gedanken an diese Welt verschwenden? Sich einen unerklärlichen Schwips erlauben, der aus den eigenen Befindlichkeiten niemals herrühren kann? & wer verbietet uns eigentlich, all dessen auch einmal überdrüssig zu sein – bis an den Rand des Grabes, sogar? Aber eben nur bis an den Rand. <Schau Dir die Welt an…> Gelegentlich fliegt mich ein Gedanke an – ob schön oder schäbig, fremd, vertraut, ja: so rührend manchmal, dass das Auge läuft; sogar das. Sich diesem Gedanken, ihn sich verweigern? Zum Beispiel: Dass das Leben eigentlich nur einen wirklich Haken hat, den ich aber selber noch nicht gefunden habe… Dass aus allem was wird, & »nichts bleibt, & nichts bleibt, wie es war«... Solch’ übermütiges Wortgebimmel stört mich über meinen Büchern. Immer wieder stöbert es mich auf, wenn ich mich irgendwo vergrabe, die Flügel & die Harfe mal ein Nu hängen lasse. Soll es auch Dich stören! Es grüßt für heute (nach Diktat verreist – oder so ähnlich…)
»In der Frankfurter Synagoge erklärte damals der Kanzler [Helmut Kohl], einige seiner besten Juden seien die Freunde der Deutschen« [Die Zeit, 5. Januar 1990]
Mir ist die Verbitterung fremd wie Du.
Deine Empathie hängt an einem Tropf mit langer Leitung
Er öffnete die Augen & schaute hinaus in die fahle Winterlandschaft. Alles in ihm war müde. Die Uhr auf dem Bücherschrank tickte laut, verstärkt durch den Resonanzkörper des massiven Holzkorpus unter ihr. »Ein Wecker wie ein Cello«, hatte er einmal geschrieben. Er hatte viel geschrieben, in seinem Leben. Einen Teil davon an diesem Schreibtisch, an diesem Fenster, mit diesem Ausblick. Das Telefon klingelte. Das erste Klingeln war noch ein halbes. Max überlegte, ob er denn den Hörer abnehmen sollte. Der Reflex, automatisch zuzugreifen, war ihm irgendwie abhandengekommen. Er entschied sich, abzuwarten, & als er sich fast an den schnarrenden Laut des Telefons gewöhnt hatte, brach es – wieder mit einem gekränkten, nicht ganz vollständigen Ton – ab. »Die Krähen schreien & ziehen schwirren Flugs zur Stadt«, dachte er, & das waren die ersten deutschen Worte, die er (bewusst) seit längerem dachte. Er war deprimiert, dass diese Zeile aus einem Gedicht von Nietzsche stammte, & dass es ihm dennoch gefiel. »Ein Deutscher bleibt ein Deutscher«, hatte Cees zu ihm gesagt, »aber Du bist anders.« Max wusste nicht, was er antworten sollte, denn es stimmte & hinten & vorne nicht. Er nahm den Hörer ab. »Ja«, sagte er. [Aus dem Max-Zyklus]
Es trug sich zu… man bleibt zurück mit einem schalen Gefühl.
You made some birds sing – that sounds easy
You made some glasses sound like a harp – it’s not that easy
You made the sun shine bride on my old Kentucky home – oh, that was stolen
You made me shy – no one believes that
You made me talk – yes, that is easy
You made me think – in new directions
You made me sing, myself – oh, what a shame
You made some fun of me – that was quite fine (for me, for you)
You made me write, a song like this, an unsung song
You wrote me off – you must be kidding
Sie legte einen Finger aufs Kinn & besann sich. Worauf? dachtest Du? Auf irgendwas, als ob es nicht reichte; die Geste mit dem Finger aufs Kinn. Ein Fingerzeig, der genügte. Mir, jedenfalls.
Sein Umgang sei rüde, sagte sie ihm nach, weil er sie nicht liebte; umgekehrt hätte er gar nicht erst geliebt, was zu so was führt.
Die Tochter, wiewohl selber zuweilen spröde bis zum Abwinken, findet mich in der Regel weicher vor, als ich mir einzugestehen bereit bin. Gerührt bis dahinaus, von Rührung mitgerissen. Bedingungslose Liebe
Manchmal verstand er sie nicht, aber selbst dann wusste er, worum es ging. Schwesterchen & Brüderchen, dachte er, was an sich nichts Gutes bedeutete, wenn man sich nur umguckte; sie konnte noch so danebenliegen, er konnte es nachvollziehen. Überall hätte er sie verteidigt, auch dort, wo er ihr nicht hätte folgen können. Gerade dort. & das ist doch auch eine Art Liebe
Sie lag stilistisch fast immer ein bisschen daneben
Mich trifft funktional der Antisemitismus, der sich an Juden nicht herantraut..
Ein Hut treibt im Meer. Was unter dem Hut einmal dachte, denkt nicht mehr.
Lache Du noch einmal allen Ängsten Hohn. Viele Zwerge machen einen Riesen.
Auch in seiner Liebe zu ihr denkt er zuerst an sich. Er sagt: »Ich liebe dich«. Das erste Wort verrät ihn bereits. Während er im ich, du, er, sie, es denkt, fühlt sie zuerst dies oder jenes, oft dies & jenes, & sie muss sich den Rest erst zusammenreimen.
Zwischen den Gleisen
Züssow, von da ab fädelt sich das Nirgendwo bis Berlin von Milchkanne zu Milchkanne. Was haben wir hier verloren
Endlose Bahnfahrten als Müßiggang oder verlorene Zeit, die hier, zwischen den Orten, zu suchen sei
Wenn sie jemanden wie sich selbst träfe, müsste sie nicht mehr suchen. Alleine ist aber nicht genug.
Er tastete die Worte ab nach Verformungen.
Hij leunt achterover en kijkt onafgebroken naar de ongemakkelijke gestalte voor zich die zich geen raad weet en met haar glas, zakdoekje en sleutelbos speelt. ‘Je snapt het verdomd goed. Men noemt dit verliefdheid.’ Ze houden elkaars handen vast die, bijna los van hun lichaam lijkt het, op het formica tafeltje liggen, de glazen opzij geschoven. Aan de wanden hangen spiegels. [Helene Weijel]
Als man du noch groß schrieb…
Er hat seine Pein aufs Peinlichste zur Schau gestellt
Entmündigendes Mitleid, alles vorwegnehmende Rücksicht.
Einen Gedanken erst einmal ausloten, bevor man ihn einfach so wegkippt (Trinkers kurzer Geistesblitz)
Alle Erziehung nach Auschwitz ist Erziehung nach Auschwitz
Es ist dies ein Gedicht, das
keinen kennt, dem
es gehört, es
weiß nichts von
Dir, nur
wenig
von mir,
hat keinen
Punkt und
kein Ende, denn
es ist
dies
ein Gedicht,
das
Mit einem falschen Ton im Ohr schweig’ ich stiller
Noch
ist Nacht, ruft
nichts etwas hervor.
Schal wird Dein Blick
im Glas, gebrochen.
Tropfen am Zweig, die
Elenden wissen davon.
Ich schaue ins Fenster & kann mir durchaus vorstellen, wie ich gerade jetzt aus dem Fenster herausschaue.
Was schaut von draußen herein, wenn ich hinausschaue
Deine Hand hält um Zärtlichkeit an.
Verstehe das, wer will. Ich nicht.
Gedicht: Spiegelblankgeputzte Stiegen.
Zerstäubtes Lächeln.
Von Dir nur das halbe Leben erwarten. Du teilst alles. Immerhin.
Aquarienblick eines Brillenträgers.
Ihr einziges niederländisches Wort waren drei, die sie versuchsweise über den Tisch raunte; suggerierend, sie wisse nicht ihren Sinn. Insgelijk
Mehr Mut! rief ich mehr Mut zur Hässlichkeit.
Als er jung war, wollte er das Leben bei den Haaren fassen. Heute, da er alt ist, trägt das Leben Glatze.
Ich wusste buchstäblich nichts
Es bewegt sich was! rief ich. Da! schau, in der Ferne, sagten wir uns & verharrten, zuschauend, hier.
Früher hätten wir jetzt gelacht, sagte er etwas zu laut.
Heute an den Lachfältchen von morgen arbeiten.
Ich habe Dir zuviel versprochen. & Du Dir von mir
Ledig. So ungefähr.
Love is just a four-letter-word & ich summe: nonono.
Ein um sich schlagendes Herz
Ich spreche vom Tod, auch vom Tod, solange ich lebe. Wann sonst?
Sie fragte, ob ich noch schriebe (hatte ich sie nicht mit Worten gewonnen?) & ich entgegnete: Wann denn? Konkurrenz von Schreiben & Leben, wenn der Alltag Leben heißt & kaum mehr Zeit lässt (außer auf endlosen Bahnfahrten, dann!)
Reife ist eine Kategorie für Melonen. (Hans Keilson) Eben.
<Kurz vor Groningen:> Wer hat den Himmel hier gemalt?
Du bist so schön wie ausgedacht.
Kostenpflichtige Endreimbegradigung.
Er will klug werden & wird kaum mehr als das Fürchten lernen. Besser, er bliebe gleich dumm.
Ach, weißt Du? ich auch nicht.
Er wollte noch lernen. Er stellte Fragen. Er gab sich mit einfachen Erklärungen nicht zufrieden. Manchmal dachte ich: so warst Du, als Du Dir noch nicht so gewiss schienst.
Verlassen sind wie doch verirrte Kinder im Walde. Wenn Du vor mir stehst & mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind & was weiß ich von den Deinen. & wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde & weinen & erzählen, was wüsstest du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß & fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle. [Franz Kafka]
Ich lege mir die Worte noch einmal zurecht.
Als wir uns trafen, waren schon alle Messen gesungen. Wir hielten uns daran & sangen mit
Sie rührte mich auf ihre Art. Es kam zu keiner Berührung, nur zu Überschneidungen, & die waren’s wert
Derweil ich weine…
Ich lege Dir meine Worte nahe, trage Dir meine Hände an, spreche etwas aus, von dem wir beide (jedenfalls ich) nichts wussten. Für Dich würde ich vielleicht sogar die Wahrheit sagen.
»Wenn meine Mutter wüsste, dass ich mit einem Deutschen…« Willy stockte. »Wenn meine Mutter wüsste, dass ich mit Willy -«, ergänzte Max, & beide lachten. »Es ist verrückt«, sagte Willy später kleinlaut. Max stimmte ihr zu. »Wilhelmina«, flüsterte er, »Michel«, erwiderte sie. & damit war fast alles gesagt. »Willy«, raunte sie ihm zu, er ihr: »Max«. »Ist einfacher«, sagten sie beide in einem Atemzug, hielten im nächsten kurz inne & – lachten. Sie: »Max, Max«, er: »Willy, Willy!« & sie küssten sich & alles nahm seinen Lauf. [Aus dem Max-Zyklus]
ich hätte gerne gewusst, was es heißt, von Dir verlassen zu sein. Du hättest erst einmal kommen müssen
Vertrautes Zitat des nie Gesehenen. [Theodor W. Adorno]
»Grüße aus Groningen. Max.« Mehr nicht & nicht weniger. Lass sie interpretieren. Sie hat die Wahl. Dachte er. Das schmierige kleine Hotel mit der schiefen, schmalen Stiege war auch noch da. Der Kneipenwirt nebenan war nicht älter geworden. Die Stadt war die gleiche geblieben. Nur ich nicht, kam ihm der Gedanke, & er wusste, dass das nicht stimmte, oder nur bedingt. Gut, auf dem Weg noch einmal Halt gemacht zu haben. Als er den Zug wieder bestieg, war er schon etwas mehr Michel. In Bremen hatte er Michels volle Sehnsucht nach Amsterdam. Er suchte intuitiv nach der Ansichtskarte mit dem verschneiten Fahrrad. Max brachte nur eine Visitenkarte zum Vorschein. Seine, mit einer Amsterdamer Adresse. Das verschaffte ihm eine gewisse Erleichterung. Zwischen Bremen & Hamburg las er genüsslich »De Groene Amsterdammer«. Als eine Mitreisende ihn auf Deutsch nach der Uhrzeit fragte, merkte er in seiner Antwort plötzlich, wie sehr sein Deutsch gelitten hatte. Ik ben een geassimileerde Nederlander, fiel ihm plötzlich ein. Ein assimilierter Niederländer. Zwischen Michel & Max liegen Welten. Er kennt sie beide. Max & Michel sind zwei Seiten einer Medaille. Wenn er sie wirft, Kopf oder Ehre, liegt Max oben. Michel unten. Man sieht dann Michel nicht, & doch ist er da. Willy, dachte Max, & Michel verstand von alledem nichts. Aber nur für Momente. [Aus dem Max-Zyklus]
Ein Brief ist eine Ehe auf Zeit. Der Gruß darunter ein kurzer, fast schmerzloser, da noch nicht erkannter Tod. Ich möchte Seiten füllen, aus Trotz (doch: Trotz ist keine Freiheit).
Wenn man irgendwann die Abschiede zusammenzählte, sie gewichtete, was wöge dann dieser Augenblick auf dem Greifswalder Bahnhof zwischen den Gleisen? Wenn wir beide ihn schon vergessen haben, werde ich mich daran wieder & wieder erinnern. Solange ein Abschied ein Wiedersehen hat, wiegt er nur scheinbar leichter. Für den Moment, den ich mir von Zeit zu Zeit vergegenwärtige, wiegt er schwer & haut mich fast um, & ich bin wieder dort, wo man auseinandergeht & eigentlich nicht weiß, warum
Willy war ihm also dazwischengekommen. Er hatte sich erst noch gewehrt, mit halben Herzen. Max konnte sie sich nicht denken, & er konnte sich ohne sie nicht denken, & mit ihr nicht. & darüber hätte er alt werden können. Oder so ähnlich. [Aus dem Max-Zyklus]
Einmal habe ich versucht, deinen Namen in Anfängen zu schreiben. Du hast es nicht herausgelesen
Sich das Denken auch nur partiell verbieten…
Die er nicht gehen lassen wollte, mit der er hätte alt werden mögen
Ich wüsste nicht, wie alt du bist
Ein grinsender Nacken; die Bauchfalte, die mich erst dick sein lässt <Wo sind die Schwangerschaftsstreifen meiner Kopfgeburten?>.
Man stirbt nicht nur mal so
Für das I ran into her braucht es schon eine New Yorker Straßenecke
Meine Gedanken sind übervoll von Dir…
Jetzt keine Ausflüchte.
An Greifswald gewachsen
Du da zwischen Katman & Du,
bei Bom & Bay seh ich im Nu
meinen Stern sinken
(als wär’ es Düssel & Dorf…)
Something like a poem.
Der lange Blick. Wer den langen Blick kennt, schweigend, in einem Halbdunkel, das von der Entrückung um alle Dinge & Menschen ausgebreitet wird, wenn uns nur noch die Augen der geliebten Frau ansehen & wir darin erkennen, wie wir erkannt werden, in einem Zeitvorbei, Raumvorbei, das unertragbar wäre, wenn es nicht wieder größte Leichtigkeit besäße, im Lächeln des Ernstfalls. <…> Es gibt Liebe, die mit dem langen, großen Blick beginnt, ihn völlig auf ihrer Höhe hat & daran vergehen muss. <…> Der Mann blickt nach kurzem feige beiseite, es sei denn, er sucht in diesem Schweigen ohne Fenster den Raum für alles Wichtige, das ihm tief & angelegen ist, so dass er darin bleiben kann. [Ernst Bloch]
Ich habe heute Deinen Blicken nicht ausweichen müssen.
Ein Mann ist letztlich auch nur ein Mann
Eine unerfüllte Liebe fürs Leben hält gut (fürs Leben)
Ich träumte von der Revolte, lebte kurzfristig die Pose, den Mythos von der Ausnahme. Ja, so etwas tut man eine Zeit lang, & dann wird man erwachsen. (Du!) Glaub’ mir, ich habe auf Sand gebaut…
Die Parkbank. Schritte scharren im Herbstlaub. Sonne bricht sich im Reif wie Kristall. Ein Ton sucht sich Gehör.
In Amsterdam, eingeklemmt zwischen Grachten, konnte er hinaufschauend zum Himmel sagen: »Adonai!« In Israel, auf freiem Felde, senkte er das Haupt & dachte nur: »Amsterdam«. [Frei nach Jacob Israel de Haan]
Ehrlichkeit taugt bedingt nur zum Leben, sagte der Rigorist.
man beiße lieber ins Leben statt in seine Zunge; man ehre den Maulwurf & seine Art, aber man mache ihn nicht zu seinem Heiligen. [Franz Kafka]
Licht : Sandstein : Jerusalem, die Konturen dort – was dir jede Psychose erklärt
Den Blicken meiner Tochter standhalten
Ich kokettiere mit meiner Zuneigung.
Diesen Gedanken bringt keine Post auf den Weg.
Diese Zeilen gehören Dir schon mehr als mir.
Du löst Dich aus dem Mauerwerk
Ich hätte Dir gerne etwas Bestimmtes gesagt, aber ich bin kaum bestimmt genug, um noch ein Wort zu dem meinen zu machen, jedenfalls, was Dich betrifft. Zurechtgedacht: Dir zu sagen, Du solltest mich bloß nicht ernst nehmen, Du siehst ja selbst, ich missbrauche Menschen für meine Geschichten. Ich mache mir Menschen von Fleisch & Blut zu Papier. Nimm mich bloß nicht ernst, verstehe Du mich nicht falsch, Du nicht. Wünsche ich mir, & dass Du auftust, was ich verberge. Dass sich der Himmel teilt oder meine Lippen, & ich sage Dir, was mir zu sagen bleibt: Es ist so gemeint, ja, verdammt, Dich liebe ich, auch, wenn es keinen Grund gibt, vielleicht. Mit Dir gehen meine Gedanken auf Reisen, gleichgültig, wohin Du Dich begibst. Ich habe keinerlei Worte mehr, sie brechen mir, zu spröde für Deine Ohren. Du hörtest nicht auf mich. Letztlich macht das kaum einen Unterschied.
Erwartungen in den Wind schreiben, hoffend, dass nichts davon hängen bleibt.
Naiv. Er hat sich meistens geglaubt
Evian liest sich, rückwärts: Naive; sagt Erik.
Worte hingeben
Dicht bij den Dood gedenk ik elke zede / En elke zonde van mijn ziel en lijf. / Gij, die dit leest, ik sterf in vollen vrede, / In vol bewustzijn van elk blij bedrijf. / En onbekommerd zal ik voor G’d komen, / Al brandt van hoofd tot schenkel ‘t zondig zeer. / Ik spreek tot G’d: »Die daden en die dromen, / Wie gaf ze mij? Neem ze nu van mij weer.« / Dicht bij den Dood. Des nachts. Hier lig ik eenzaam, / Met mijn adem en de adem van mijn lied. / ‘t Is alles uit. Niets is mij meer gemeenzaam / Van al wat het Leven genieters biedt. / Dit Huis: »de Poorten der Gerechtigheid«, / Hier lig ik in trouwe ziekte gevangen., / Met dit lied sluit ik mijn lot en verlangen. / Gij, die dit leest, geniet uw goeden tijd. [Jacob Israel de Haan]
In Jerusalem Taxi zu fahren lehrte mich beten; hier stiften Chauffeure Religionen im Nu. Schlaglochbeseelter Animismus, Initiation im Angstschweiß & Angesicht eines nicht unwahrscheinlichen Unfalltodes; die Abwesenheit G“ttes im Gespräch ohne Taxameter; schwierige Verhandlungen über den Preis einer einfachen Fahrt ins Paradies
Die Tür knallte laut hinter ihr ins Schloss. Einen Fluch ließ sie ihm auch noch da.
Im Suff zu Höhen,
die sich anders
nur schwer erklimmen.
Mit der Tiefe der Gedanken wächst die Entfremdung (Elend der Reflexion)
Denke Dir: meine Sehnsucht geht seltsame Wege. Sie sucht sich Lieder & heftet sich abends an das Ziegelrot der Sonne, das den Winter (der noch vor uns liegt) vergessen macht. Ich denke Dich mir, & es gelingt nicht -. Denke Du mich; das wäre ein Anfang.
Analytiker einschnappender Reflexe
Er behauptete (apodiktisch): dass man, wenn alles gut gehe, einmal liebe & einmal heirate; dass aber beides selten (er sagte: nie) zusammenträfe…
Als ich meine Tochter sah, & was ich sah, war gut, als sie mich anschaute & durch mich durchsah, nicht abwesend, sondern mich so ganz durchdringend, wie es andere Liebende nicht einmal können; als ich mich fragte, ob diese tiefe Kenntnis eines Menschen aufgehoben werden kann, & wie, ohne dabei entkräftet zu werden (was im Aufheben ja, wie wir wissen, vonwegen Dialektik, bereits mit inbegriffen liegt); als ich so über mich hinweg dachte, wurde es deutlicher denn je, dass es nichts, aber auch nichts gibt, was mit der Sehnsucht gleichzöge, dass man jemanden fände, der so da ist wie gerade ich für sie, & dass alle Interpretation ihres Blickes dem Kinde ebenso unrecht tut wie meine Annahme, ich wüsste von ihr mehr als über jemanden anderes, nur weil ich sie von Anbeginn kenne. Schon jetzt ist etwas Fremdes, etwas ganz Eigenes an & in ihr, was mir unzugänglich bleibt, woran mein Auge sich zu schulen hat, um ihr der Vater zu sein, der ihr zugewandt an ihr teilhat, Indem ich ihr zuhöre, wachse ich selber, & indem ich ihr zuschaue & sie sehe, wie ich sie sehe, weiß ich doch vieles von ihr nicht; das zu wissen, bedeutet vielleicht mehr, als alles andere, was ich wissen kann; vielleicht aber auch nicht, Sie stellt mich so sehr in Frage, & mit ihr ich mich. Sie ist die größte Herausforderung, die ich mir nie hätte denken können. Es ist die verbindlichste Beziehung, weil man sie nicht gesucht hat, weil man nie hätte antizipieren können, wie das ist, & keiner wird es genauso empfinden, weil wir uns beide in besonderer Weise fremd & vertraut sind. Diese Beziehung ist wie jede ein Unikat. Was sieht sie in meinem Blick & was ich in ihrem?
Neulich fiel es mir auf resp. ein: meine Sehnsucht war nicht mehr da resp. wahr – »Sseehhnnssuchtt«, rief ich mit Blick auf den Knoten
im Taschentuch. Der Tod
beginnt nur selten
im Kopf. Dankbares
Ende, so? (Ich hätte gern noch einmal! gesehnt resp. -gesucht.)
Über kurz oder lang wirst du mich vermissen (wie ich dich; wie du mir, so ich…)
Wenn das Land zu Glas gerinnt, die Sonne sich ergießt über den Kämmen bei S’de Boker, wenn die Nacht hereinbricht mit aller Macht, wenn.
Tränenrinnsal.
Die deutschen Treppenhäuser. Ihm war früher nie aufgefallen, wie breit die Stiegen sind, auch in alten Bauten. Im Gegenteil: wenn er nach Holland kam, wunderte er sich über die schmalen Treppen mit den kurzen Schritten. Beim Hinaufgehen muss er sich sehr kontrollieren, um nicht zu stolpern. [Aus dem Max-Zyklus]
Sie sagte, sie habe mich »erwählt«. Lass ab, dachte ich, das ist das Dümmste, was ich je hörte. Nickte & ging. Sie ist heute noch keinen Schritt weiter.
My sentimental journey… wenn ich durch Leer fahre, kenn ich kein Emden mehr
Ach, Du! Wie beiläufig lässt sich über die Liebe sprechen, als beträfe es Dich & mich, oder eben nicht. Ich bin feige, das gebe ich gerne zu. <Warum bin ich bloß so feige?>
»Ach, wie wunderbar, Dich wiederzusehen««, sagte Franny, als das Taxi anfuhr. »Du hast mir gefehlt.« Sie hatte die Worte kaum ausgesprochen, als sie begriff, dass sie gar nicht wirklich meinte, was sie sagte, & wieder voller Schuldgefühl nahm sie Lanes Hand & verschränkte zärtlich ihre Finger mit den seinen. [Jerome D. Salinger]
Als sie gingen, wurde die Stadt ärmer, ohne es zu merken. was ich auf die Franks & Frankfurt schrieb, sollte mal jemand unter anderen Umständen über Hamburg sagen.
Keine guten Zeiten für Liebende, sagte er. Wann dann?
Elfriede & der Glaube an die unbefleckte Empfängnis. »Sie hat das Kind sich eingefangen«.
Die Straße will kein Ende nehmen. Links & rechts nur Wiesen & Weiden, Pappelgeraden säumen den Weg. Gelegentlich eines dieser einsamen alten Häuser, um die Du weinen möchtest. Aus einem der Fenster heraus einen ungetrübten Blick auf den Horizont, den Du Dir im Vorbeifahren nur eben vorstellst.
Er bugsierte noch den letzten Gedanken ins Glied.
Wenn Du mir so kommst, lasse ich den Holländer raushängen.
In Brandenburg lernte ich Deutschland noch einmal anders kennen
»Ich werde um Dich kämpfen«, hatte er ihr eröffnet. Er wusste genauso wenig wie sie, was das heißen sollte. Es ging eben nicht. Es gab keine Instanz, vor der er ihre Liebe hätte einklagen können. Max sammelte Indizien, alte Liebesschwüre auf immer & ewig. Anfangs las er noch in ihren Briefen (die er bald »Beziehungsleichen« nannte), ihre Widmungen in geschenkten Büchern, forschte in seiner Erinnerung nach Belastungsmaterial. Vielleicht wollte er nur einigermaßen sauber da rauskommen. Er wurde ihrer überdrüssig. Max hasste nachgetragene Gefühle. Er streckte schließlich die Waffen. [Aus dem Max-Zyklus]
In dem Getto meiner Gefühle.
Trost: It’s her town, too.
Fluch: It’s her town, too.
Er: Sie sähe sehr verheiratet aus.
Wir begreifen die Ruinen nicht eher, als bis wir nicht selber welche sind. (Heinrich Heine)
Dass mit manchem Mal Schluss ist. Das »Mamma« aus ihrem Mund veränderte die Welt
Wolken: Fettaugen am Himmel.
Ich suche noch
Schwalben, die die Luft zerschneiden. Jetzt bloß nicht sentimental werden (auch ‘ne Kunst).
Die Zugfahrt gibt ihm zu solchen Gedanken die Zeit. Er genießt es, Stunden in Zügen zuzubringen, die er auch in Warteräumen am Flughafen verbringen könnte, oder im Stau auf der Autobahn. In Zügen lässt es sich bequem andenken, nicht zuende. »Der kleine G“tt in seiner Handtasche weinte«, bringt er zu Papier. Der fehlende Satz für eine sehr kleine Geschichte, die kein Ende fand. Er grinst & denkt an die Tränen bei der Begrüßung & beim Abschied. Er grinst nicht mehr. Es ist August & schlimm genug.
Ich ging über den Friedhof & buchstabierte die Namen. Ich zählte die Jahre & las im Stein.
Ich sehnsuchte nach Dir.
Der Fluss senkt sich als Nebel über den Deich. Enten schnattern. Dumpfer Klang der Elbkähne. Die Sonne schwindet. Ein Gefühl bemächtigt sich meiner. <Dezember>
Von Lyrik lässt sich nicht leben. Von Sachbuch nicht. Von »ehrlicher Hände Arbeit«, nicht. Wovon?
Leg mir deine Welt aus (uitleggen)
»Wer nennt seine Tochter Wilhelmina?« fragte er sich selber laut. Ihre Eltern hatten sie vielleicht unter dem Bild der königlichen Familie gezeugt, dachte er & setze sich dabei in einen der schweren Ledersessel. [Aus dem Max-Zyklus]
Einmal wäre er fast schwach geworden. Jammer
Sie sitzt neben ihm. Die Windschutzscheiben sind weit heruntergekurbelt. Es sieht nach Gewitter aus. Die Luft lastet auf der Stadt & lässt sie flimmern. Es ist fast windstill, & auch der Fahrtwind bringt keine Kühlung. In der Gegenrichtung ist ein großer Stau, aus der knisternden Verkehrsdurchsage schnappt er nur abseitig Worte wie »Rotterdam, Schiphol usw.« auf. Lis döst vor sich hin. »Willst Du vielleicht zu einem Arzt?« fragt er sie, & sie schüttelt müde den Kopf. »Nein, bring’ mich nur bitte nachhause.« Er macht sich seine Gedanken. Es riecht noch nach Hotelseife & nach ihrem Parfum. Er schüttelt den Kopf & fährt vor sich hin. Ein Radfahrer. Zwei Kinder. Italienische Touristen mit grünen Holandia-Reiseführern; in diese Gegend kommen sonst kaum Touristen. Automatisch, ohne viel Anteilnahme, fährt er durch Amsterdam, oder es fährt ihn spazieren. Er ist taub, niedergeschlagen & versteht nicht, was mit ihm gerade geschieht. (…) Hämmernde Kopfschmerzen. Der Wunsch, das Radio lauter zu stellen, um nicht mehr allein zu sein, damit kein Gedanke sich breitmachen kann. Was war denn schon? – Nichts! – Na eben. Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er sich nicht richtig auf sie freute. Das setzt einen Nerv frei, auf dem man ihn in letzter Zeit manchmal kalt erwischt. Glück? [Aus dem Max-Zyklus]
An der Psychoanalyse ist nichts wahr als ihre Übertreibungen. [Theodor W. Adorno] Immerhin
Plädoyer: Bonn. Gedrungenes Mittelmaß. Bundesdorf plus U-Bahnanschluss (wohin?). Rheinischer Hackenschuss. Bescheiden in alle Richtungen. Prostatische Schöpfung (wollen & nicht können). Stahlbetongewordene Erinnerung an den deutschen Herbst – ewige Limousinenanfahrten irgendwelcher Krisenstäbe, weißt Du noch? Von Berlin ganz zu schweigen.
Du lässt mich Volker Rühe vergessen. [Jahre später: wer war das?]
Wie schreibe ich Dir, dass das Dir gilt: was mir zu Dir noch einfiel?
Jahreswechsel. Das Herz übervoll der guten Wünsche; die großen Leidenschaften & die kleinen Sehnsüchte resümierend, ziehst Du gewaltsam einen Strich unter das vergangene Jahr. Du denkst Dich an einen Ort, der Dir nicht einmal einfällt, weil Du ihn noch nicht kennst. (So sitze ich da & rede im Du mit mir, weil ich die anderen nur schwer ertrage (wenn überhaupt). Einen Strich zu ziehen, gelingt mir nicht, & um mir etwas vorzustellen, reicht meine Vorstellungskraft nicht aus. Man kann so Dinge schreiben, die in nichts Berührung haben mit dem eigenen Leben, & sie sind dennoch nicht unwahr. Ich lege den Stift beiseite & denke mir meinen Teil.
Erinnerst Du Dich noch an mich? fragte er sie bei sich. Schon ein falscher Ansatz, sagst Du?
Die Drehtür des Theaters kreist hinter ihm; draußen regnet es. Warmer Sommerregen aus grauestem Himmel. »Holland«, ruft Max laut, »was lieb ich Dich.« [Aus dem Max-Zyklus]
Ich stieß auf Deine Worte von damals (heute reden wir nicht mehr miteinander). Sie lagen da wie in Aspik.
Es sich mit allen gleichmäßig verderben
Max fand ihren Namen im Oldenburger Telefonbuch. Etwas also verband ihn mit dieser Stadt. »Unter uns Pastorentöchtern.« Immer dachte er bei diesem Wort an die Fahrt über die Gracht, als er auf Deutsch sagte: »Unter uns Pastorentöchtern«, & sie kurz & bündig erzählte, dass ihr Vater Pastor war. Das war das letzte Wort, das von ihr blieb & bei ihm heimisch wurde. [Aus dem Max-Zyklus]
Eingeständnis: ich habe geliebt
Bekenntnis: ich habe geliebt (auch früher schon)
Ein Kommen & Gehen. Mein Herz läuft über.
Es gab ein Foto von Willy & Max, auf dem sie, der Zufall hatte es gewollt, nebeneinandersaßen. Beide schauten sie in verschiedene Richtungen. Er fand es morgens unter anderen Bildern, mit einem Brief versehen, der von dem Glück, das dieses Bild Max bereitete, nichts wusste, in seiner Post. Als er die Straßenbahn bestieg, fingerte Max das Bild (und nur dieses) geschickt aus seiner Sakkotasche hervor. Er grinste über beide Backen. Zwar machte er selber keine gute Figur auf dem Bild, & seine Augen leuchteten ausnehmend rot. Zuhause stellte er es auf seinen Schreibtisch, an dem er noch einige Briefe schrieb. Er musste immer wieder hinschauen & sie anhimmeln. In dieser Geste begriffen, fand er sich selber bestechend rührend. Zum Kochen & Essen nahm er Willy mit in die Küche. »Unser erstes gemeinsames Essen«, lachte er übermütig, ergänzte hastig: »zu zweit, wenigstens«. Dachte (er hatte vor dem Foto so seine Geheimnisse): das erste einsame Essen mit ihr, allein. & das musste reichen. [Aus dem Max-Zyklus]
Max hatte einige Zeit gebraucht, um sich zurechtzufinden. Europa sah von außerhalb kleiner aus, fast unbedeutend. Man sprach seltener von Deutschland. & es gab andere Probleme. Es dauerte eine Weile, bis er darüber schreiben konnte. Er musste schreiben, um so Distanz zu den Geschehnissen zu gewinnen. (Der deutsche Student, der mittags auf einem Markt eines der mit nach hinten verschränkten, gefesselten lebenden Reptile kaufte, um es draußen vor der Stadt laufen zu lassen. Der Stolz dieses Tieres, mit dem es sich langsam entfernte. Am Abend aß der junge Mann Reptil, von dem ihm der Kellner beredt & charmant weismachte, es sei Huhn. Max freute sich an seinem niederländischen Pass, der ihn sicher nicht gegen Illusionen versicherte. Gerade nicht. Aber er bewies Max, dass er sich einmal nicht geirrt hatte. Die deutschen Touristen in Bombay; Männer zum Kotzen. Der rote Fleck auf der Stirn der Frau in Katmandu, die ihm etwas von größter Wichtigkeit sagen wollte, & er verstand sie nicht. Das Elend der vielen Kinder. Die unglaubliche Schönheit einer Landschaft, die besticht. Die schroffen Berghänge mit spärlicher Vegetation, die der Erosion zum Opfer fällt. Die Dörfer im Nebel, droben, wo die Säuglinge an den Brüsten ihrer Mütter sterben. Die Affen, die sich in den Altären bedienen. Der blutige Ziegenkopf, der vor seine Füße fiel. Sie bedanken sich bei der Ziege & bitten sie um Verzeihung. Die Verbrennung der Leichen am Fluss, wo es nach Henna & Sandelholz roch. Die Ratte mit dem blutigen Schwanzstumpf im Kleiderschrank. Das Hakenkreuz auf dem Tempelfries.) All diese Bilder. Er las die Bücher von Adriaan van Dis & Cees Nooteboom, die die Metaphorik wieder ins Niederländische zogen, wo er noch sprachlos war. Hier galt er als Europäer, & eine andere Vergangenheit holte ihn ein, als die Vertraute. Er war von dem, was er sah & fühlte, ganz hingerissen. Auch hier liebten die Menschen, sie hofften auf eine Wendung zum Guten & träumten ihre kleinen & großen Träume. Safranwolken. Kolonialgeschichte. Seine nicht, hatte er früher gedacht. Max wurde hier Niederländer, Europäer, mit der ganzen Geschichte. Er ging den schweren Weg. [Aus dem Max-Zyklus]
Du willst, dass ich konkret werde; etwas Butter bei die Fische.
»My, my,« said Maude, lying back on the grass. »I feel I can evaporate.« Harold fell alongside her. »You’d turn into one of those clouds,« he said. »I think you’d be a nice cloud. You could float around the skies all day.« »No, not me,« said Maude. »I’d be a very bad cloud. I’d always want to dissolve into rain.« (Colin Higgins: Harold and Maude)
Ein Lächeln, das mir gerade entfallen ist.
Als ich mal
den Kopf schief legte und
die Schultern hängen ließ, als ich
mal nur so
alles fahren ließ, da
warst Du, um zu fragen: Warum?
Der Kopf liegt mir schief. Die Schultern hängen mir
nicht nur so, ich habe
Gründe, ach, & lasse
alles fahren.
Du fehlst.
Mir
Ich monolog Dich an
»Ik hou van Holland…«, sang ich, als ich nach Amsterdam fuhr; auf dem Rückweg dann: »…maar Holland niet van mij.«
»Ich werde Ihnen jetzt von Spencer [Tracey] erzählen. Das hat ja ganz schön lange gedauert, werden Sie sich sagen. Ich habe genau das gleiche gedacht, wenn ich ehrlich bin.« [Katherine Hepburn]
Als wir uns trennten, habe ich noch gedacht: lass mir Deine Finger da <sie waren so gut zu mir>. Ich sehe, wie Du Dein Glas hältst, wie Du Deine rechte Hand in seine linke schiebst. Ich sehe Dich an, als kennten wir uns nicht. <Neulich sah ich Dich in der Stadt, & ich überlegte, ob ich noch ein Wort für Dich dabei hätte. Ich war froh, dass Du Dich nicht umdrehtest, denn da war nichts mehr. Erleichtert folgte mein Blick jemand anderem. Aus den Augen, aus dem Sinn.> Gleich kommst Du auf mich zu & sagst: »Hallo!« & ich weiß eigentlich nicht warum. Ich habe keine großen Worte mehr für Dich & auch keine kleinen, keine großen & keine kleinen Gefühle. Ich hatte noch eine Weile danach gesucht, in jedem Winkel von mir. Es ist nicht einmal ein Gefühl der Stummheit, der Taubheit. Du sagst mir nichts mehr, bedeutest mir nichts, & es ist eine mehr physiologische Betrachtung, als dass ich daran innerlich beteiligt wäre. Gut, ich werde Dir irgendetwas antworten, aber es knüpft an nichts mehr an. Nicht an die Liebe, die Enttäuschungen oder an etwas anderes, das wir uns einmal waren. Ich erinnere mich nicht mehr. Dein Handtuch hat neben meinem gehangen? Wenn ich es nicht besser wüsste, ich glaubte es nicht. <Sie: »Hallo!« Er: »Dein Handtuch, welche Farbe hatte es?«>
Gebangt, ob Du kämest…
Unverheiratet wäre er ihr verfallen, hätte alles in Bewegung gesetzt – & ein überaus peinliches Bild abgegeben. Konjunktiv [Professor Unrat]
Permanentes Dementi
Bin kein Ere. Mit
Willy nahm ihm seine Melancholie nicht krumm. Sie legte ihm ihren Arm um & sagte etwas, das ihn vertrauen ließ. Worauf, wusste er selber kaum. Max spürte, dass Willy da war, für ihn, & das genügte ihm dann. Nicht, dass er es darauf anlegte, oder gerade doch. Aber was sollte das schon heißen? Zum Unglück wie zum Glücklichsein gehören meistens doch zwei oder drei. [Aus dem Max-Zyklus]
Jemand fragte sie nach ihm, bevor sie ihn überhaupt bemerkt hatte. Sie legte den Kopf schief & schloss die Augen
Abendessen. Gide. Briefe junger Autoren, die fragen, ob sie weitermachen sollen. Gide antwortet: »Wie? Sie können das Schreiben entbehren, & Sie zögern?« [Albert Camus]
Er sagte: Gib ihr noch zwei Küsse von mir. <Unschuld>
Die Elbe gurgelt wie der Ausguss von damals. Mein Herz geht auf Reisen. Beschwipst vom Frühling, der durch meine Adern pulst. Die Sonne erbarmt sich. Ich denke an Dich. Die Menschheit trägt bunt. Du könntest um die nächste Ecke kommen. Ein Sehnen.
Begrabt mich nicht, lasst mich verwehen
Sich aller Gefühle auf einmal entäußern.
Am meisten blieben mir, sagte Max, die immer anderen Frauen haften
Ein Wort wie »wortgetreu« – das macht einem heute keiner mehr <sentimental>.
Dein Gesicht glaube ich Dir nicht. Du bist zu gut zu meinen Augen.
Distanzverwöhnt
Die phantasierte Liebe muss nicht mithalten
Solange es ein Du! gibt: weiter.
Verwalter des Untergangs <Modell Deutschland 1978>.
Ich sah einen Wolf, der leckte an einem gelben Stern, bis seine Zunge blutete – [Heinrich Heine]
Mein Herz ruhig verstümmeln: ich liebte.
Harburg hat was. Was?
In ungereimten Zeiten zu reimen, ist Verrat.
Blasen wir ihnen das Bier vom Schaum.
Da war Jens, der morgen die Welt verändert <immer erst morgen>
Sich einer Sehnsucht stellen (High Noon).
Jemandem Gefühle nahe legen. – »Sie haben da etwas liegen lassen!«
Du lächelst umsonst, meine Gefühle haben Feierabend. Ein Dutzend Blicke & nichts bleibt haften. <Vergebene Liebesmüh’>
Nachgetragene Sehnsüchte.
Fremderleute große Gefühle auftragen <I just call, to say, I love you…>
Mit dem Blick aufs Meer alt werden <man wird doch mal träumen dürfen!>.
Was tut sich in Helmut Schmidts Schuhen unter dem schweren Schreibtisch über dem niemand denkt perlt der Schweiß da oder sickert es leise durch schwarze schwitzige Socken & mürbes Leder in den Velours wer fragte den Gefreiten mal das noch! fragen ihn welche doch immer was anderes alles was mich aus seinem Munde interessierte wäre was tut sich…:|| Was hat mir der Mann getan? Er thronte über meiner Jugend, gab ihr mit schneidiger Stimme eine Form, die mich misstrauisch machte (weshalb mich erst (Schönhuber in die SPD trieb…). Wer ihm heute zuhört, genau zuhört, dem muss noch einmal angst & bange werden
Der Mühe, jedenfalls, die Frage zu beantworten, wer (aufs Ganze gesehen) schlimmer war [- Kohl oder er –] unterziehe ich mich nicht, nur ungern[, & fiele mir einiges dazu ein,] um eine Antwort verlegen
Ein schwarzer, schwerer Locher. Der Kalender vom vorigen, gerade vergangenen Jahr. Die Ansichtskarte mit dem verschneiten Fahrrad aus Amsterdam, die er sich im Sommer gekauft hatte, um auch im Winter angemessen seinem Fernweh zu frönen (von Hamburg aus brauchte man schon sechs, sieben Stunden mit dem Auto, das er nicht hatte, nach dort; inzwischen benötigte er knapp eine dreiviertel Stunde mit dem Bus). Diese Karte hatte ihn all die Jahre begleitet, immer war sie ihm zu schade gewesen, um sie an jemanden abzuschicken. Es war vielleicht ein Lebenszeichen, ein Versprechen an sich selbst. Er wollte, das wusste er schon, als er die Karte kaufte, dieser Sehnsucht nachgehen & ihr gegebenenfalls nachgeben – den Ort zu wechseln, die Freunde, alles, bis ins Letzte, um irgendwo anzukommen. Die Jahre hatten die Konturen des Bildes verwischt, die Ecken abgestoßen – eine Ikone seines Glücks, die ihm immer mehr bedeutete, als jedes andere Foto (er kannte damals Amsterdam noch nicht unter der Zuckerhaube, die binnen Stunden zu grauem Einerlei karamellisierte; Max fragte sich jedoch nicht, wie es zu dem Weiß des Schnees gekommen war, das dem Rad noch schärfere Linien in der Abgrenzung vom Rundherum verlieh. Er kam nicht einmal auf den Gedanken. Vielleicht führte er es unbedacht auf ein »früher« zurück, als die Winter, so heißt es, immer noch bitterer, winterlicher waren; als der Ruß der Öl- & Kohlenfeuerung in den alten, schiefen Häusern der Grachtengürtel aber auch nicht mit geliehenem Schwarz geizten. All das dachte er nicht.) Ein schwarzer, schwerer Locher. Der Kalender vom vorigen, gerade vergangenen Jahr. Die Ansichtskarte mit dem verschneiten Fahrrad aus Amsterdam. Ein Bild, auf dem er & Lis -. Ein altes Manuskript. [Aus dem Max-Zyklus]
Mit einer Hand am Lenker versuchte er sie zu überzeugen, dass er immerhin freihändig denken könne.
fasziniert von dem Nichtgeschehenen
Nackter Neid: der Dirigent, der um einen Ton bittet; so: ein Gefühl
Sandy: Erzählen Sie mir von sich. Wer sind Sie? Geben Sie – Geben Sie mir gleich eine Fülle persönlicher Daten, weil, äh, halten Sie nichts zurück. Ich meine, sind Sie verheiratet? Leben Sie mit jemandem zusammen? Dorrie: Mmmm… ich bin einfach – ich bin faszinierend, aber ich bringe Ärger. [Woody Allen: Stardust Memories]
Der Boulevard der Elenden…
Die mit ihrer Schönheit Geschlagene. Ich liebte sie dennoch, heimlich
Trau noch einmal Deinen Augen sag! wie lange nicht wem.
Geweißte Träume. Gestärkte Träume. Träume von Linnen. Träume (eben).
Ich bin nicht gut im Hinterbleiben. Denkt Euch was anderes aus!
Du bist drei.
Heute habe ich Geburtstag. Obwohl ich Ausländer bin. [Konrad Merz]
Vertraulichkeit & Vertrauen (Nuance).
Das Ich ein einsames Gut
Er hat um ihre Freundschaft angehalten, erzählte sie beim Kaffee, & das war immerhin mehr als der Spatz in der Hand
Dein Lächeln: ein Schuh, den ich mir nicht anziehe.
Du saßest da wie ein Spatz, der sich ans Sterben macht.
Anheben zum grandiosen Schweigen, angesichts-
Du warst zu gut zu meinen Augen; ich war glücklich, als ich durch Deine Hände ging.
Trauerweide. In den Ästen schwingt ein Leichnam stock & steif
So band ich die Worte zusammen; manche schnürten mir die Kehle vor Peinlichkeit; andere erfüllten mich mit Entdeckerstolz, weil ich sie vergessen hatte & etwas an ihnen wahr war; warum ich sie vergessen hatte?
Mein Herz ist bodenständig (Ikarus)
O nehmt mich mit – Sie hören nicht – die Wolken droben sind so klug! Vorrüberreisend dieser Stadt, ängstlich beschleungen sie den Flug. [Heinrich Heine]
Das 21. Jahrhundert ist auch ein mieser Verräter
Der Versuchung erlegen, den Versuch aufzugeben, Dir nahe zu sein.
Bei dem Wort Liebe denk’ ich an Stöckelschuh’ auf meinem Herzen
Mein Gesicht: Züge, die nie entgleisen. Ich! langweile mich.
Sterne schnuppen haltlos.
Du säumtest meinen Weg mit Deinen Worten. Ich ließ sie liegen.
Tagebucheintrag: Dieser Tag geht deutlich aufs Ende. Ich werde mir heute noch ein kleines Gefühl erlauben.
Verwirf Du ruhig mein Alphabet.
Deine Träume trotzen der Schwerkraft; wir folgen der Fliehkraft.
Er lächelt traurig: »Ich habe überlebt. Alle.« <survivor guilt>
Emigration ist keine Lösung, wenn Du vor Dir damit selber fliehst. Du entkommst Dir nicht. Aus Deiner Haut entlässt Dich auch die Fremde nicht. Du kannst den Staub von den Schuhen klopfen, aber den Staub, den Du tief einatmetest, über die Jahre, den bekommst Du nicht aus den Lungen heraus. Es sammelt sich neuer an & hinzu. Man geht, wenn man gehen muss, oder, wenn man gehen will. Aber erwarte nicht, dass Du erst in der Fremde bei Dir selbst ankommst. Dass man sich ändert, darauf kommt es mir an. Hier wie dort. Ich habe gelernt, zu fremdeln, mit mir. Wenn ich gelegentlich bei mir einkehre, erkenne ich mich vielleicht gerade deshalb immer wieder.
Meine Depression weiß nichts von mir <Genugtuung; oder: Dr. Kimble>
Es hätte ja sein können; alles wies darauf hin; ich hätte es für möglich gehalten. Ich dachte, das wär’s. Ein Glück.
Nachdem die anästhesierende Wirkung der Gewohnheit aufgehört hatte, begann ich zu denken, zu fühlen – beides traurige Dinge. Der Knopf an meiner Zimmertür, der sich für mich von allen anderen Türknöpfen unterschied, dass er ganz von allein aufging, ohne dass ich ihn zu drehen brauchte, so unbewusst war mir seine Handhabung geworden. [Marcel Proust]
wenn ich klug würde (was dann?)
Hagen links liegengelassen.
Du sagst, Du liebest mich; & ich bin doch nicht viel anders als der Baum dort am Wegesrand, an dem Du Dich freust: er steht auch deshalb da, damit Du Dich an ihm freuen kannst. Du könntest ihn sogar umarmen. Er aber hat keine Arme für Dich, nur seine Blätter im Wind, die Äste, die er von sich streckt. Nimm Du mich wie diesen Baum, & verzeih mir, dass ich kein Herz hab.
Eine Sehnsucht, die nach Dir sich sehnt & nach Dir sucht.
Wer nur sehen kann, kennt die Enge.
Dem Kummer Beine machen.
Langsam schlenderte er nur eben über die Straße, um bei dem alten Portugiesen zu landen, der für ihr früher immer zu teuer war. Die Zunge wurde ihm vor Erinnerungen ganz pelzig.
Einen Eindruck im Sand am Meer hinterlassen.
»Liever Holland dan heimwee« & »Man verlässt sein Land nur, wenn man muss« [Hans Keilson] <ich muss nicht>
Rehscheue Hände.
Ich trug mich gerade mit einem Gedanken. Dich fahren, Dich gehen & schwinden zu lassen. Dann fielst Du mir ein mit Deinem Mund, mit Deinen Augen, dem Herz, das nicht für mich schlug, nicht durch mich, das hörbar schlug & ich dachte da noch -. Ich trug mich gerade mit einem Gedanken, als Du mir einfielst, g“ttseidank.
Verzeih mich
Schmeck mich & vergiss
Dir einen Tag weit entgegengehen.
»Lande Du an meinen Ufern«, sagte der Mann am Meer, seine Worte wie Ebbe & Flut.
In Paris Sozialist sein
Mit dem Wort unwiederbringlich auf den Lippen aufwachen.
Komm Du mir bitte quer.
Die Nachgeborenen tragen neuerdings Unschuld; der Präsident Unbefangenheit (es wurde nicht ganz so schlimm, dachten manche entschuldigend noch, als andere sie exerzierten), von Normalität schreibe, wem sich nicht die Feder sträubt.
Gnadenlose Klezmerisierung. So macht man sich die Juden fremd.-
Der Ausdruck des Geschichtlichen an Dingen ist nichts anderes als der vergangener Qual. [Theodor W. Adorno]
Der Himmel schwebt über dem Grün wie festgenagelt. Friesland.
Auf der Elbbrücke stand morgens noch »la tristesse sans tendresse«. Als ich es begriffen hatte, am Abend, suchte ich schon vergebens
Ein geschiedenes Gefühl
Ich habe einige Gedanken an Dich geheftet, Erwartungen, & ich sah, wie Du sie abstreiftest, wie eine alte Haut. Dein Wort vom »Ich liebe Dich« stand Dir noch ins Gesicht geschrieben. Wie ein Abszess.
Ein Augenaufschlag rührte mich (zugrunde)
Ich habe ein Herz für Dich noch frei
Ne me quitte pas, lag mir auf der Zunge, noch bevor ich Dich kannte. Mach weg, die Gedanken, die schweren, die meinen. <Auf ein altes Lied mit alten Freunden bei jungem Wein>
Er hatte lange wach gelegen neben Lis & sich Gedanken gemacht, denen er selber nicht folgen konnte. Als sie noch nicht lange zusammen waren, konnte er neben ihr kaum einschlafen, weil er fürchtete, sie würden mitten in der Nacht das Atmen vergessen. Zärtlich hat er sie angeschaut, ihre Gesichtszüge in der Dunkelheit ausgemacht, & die weiche, wellige Linie von ihrem Hals über das Schlüsselbein hinunter, über die Brüste, die sich in ihren Beinen fortzusetzen schien. Nun sah er sie mit anderen Augen. Er kannte sie, dachte er gelegentlich, in- & auswendig, & dabei war sie ihm fremd geworden. Leise stand er auf & schlich sich in sein Arbeitszimmer, setzte sich an den Schreibtisch, & im Widerschein einer Kerze zeichnete er namenlose Konturen auf das Papier. Mehr & mehr fühlte er sich einsam mit ihr. Ihre Gespräche verliefen routiniert & ohne Überraschungen. Ihre Liebkosungen erzeugten kein Fieber mehr. Wenn sie engumschlungen dalagen, gingen seine Gedanken auf Reisen, & auch sie wirkte abwesend. Die tiefere Zärtlichkeit war einer nur leicht maskierten Geschäftstüchtigkeit gewichen. Ewig gleiche Bewegungen & Abläufe, die sich ergaben, aus dem, was sie waren & taten, & vor allem aus dem, was sie einander waren. Er sehnte sich nach einem neuen Anfang. Dafür hatte er noch keine Worte. Meistens schlief er dann am Arbeitstisch ein. [Aus dem Max-Zyklus]
Ich dachte, ich könnte warten. Worauf?
Mir ist nach Anfang zu Mute
Frederick schien immer noch das Sicherste zu sein, schon verschlossen für die Nacht, & während alle um sie herum die letzte Strophe sangen (Baby Sister stieg hoch über die anderen hinaus, hell wie der Tag), schaute sie auf ihn nieder, & unter ihren Augen begannen seine Lippen sich zu bewegen, nur an den Mundwinkeln zuerst, ganz langsam, als würden sie wie die Gezeiten vom Mond gezogen, als könnte er einen aufwachen & einen Traum beenden, aber seine Augen öffneten sich nicht, blinzelten nicht, & seine Lippen bewegten sich weiter, bis sie endlich etwas formten das fast ein Lächeln war, nur er wusste warum, & es dauerte nicht länger als drei Sekunden, aber es schien als ob er, sogar im Schlaf, von Liebe wüsste. [Reynolds Price]
Die Zeit, in der man den Ahnungen noch ein Zuhause ist
Ich wollte mit meinen Worten ja nichts weiter sagen, sondern nur Dich auf die eine oder andere Weise an mich binden. Du aber rechnetest nicht auf mich.
Nachruf. Du habest nichts mehr zu sagen. Gerade jetzt, dachte ich. Gerade. Jetzt.
Was wäre ich gerne Maler geworden… wenn ich nur meinen Augen traute. Du bist so schön, Marleen
Es macht nichts. Es ist ja nur wegen der verlorenen Zeit. Ich liebe Dich eben heute schon.
Meine Analytikerin meinte, dies sei profundes Material, aber zum Guten…
Die Ungeduld, Dich zu sehen. Die Geduld, Dich zu sehen. Die Ungeduld. Die Geduld. Die. Die. So oder so.
Wer kann schon wie
(In der Jordansenke:) Beim Tanz, & es war das Mondlicht. Es war das Gesicht, das fahle. Es war der Wein.
Einmal, fast, hätte ich Dich kurz vergessen. Ich hätte sie beinah’ bei ihrer Hand genommen, die sie mir gab. Ich hätte ihren Kuss erwidert. Das war beim Tanz, im Mondlicht. Es lag am Wein & am Gesang. Es lag daran, & am Gefühl.
(Etwas hielt mich ab davon, & ohne Reue. Nenn es Treue.)
An Deinem Schweigen kranke ich.
Er liebte sie auf seine Weise | das | reichte ihr aber | bei weitem | nicht
Er konnte immerhin glaubhaft machen, es sei nicht persönlich gemeint gewesen <das mit der Liebe>.
Stellte er sich ihren Worten oder sie ihn?
Bei Weimar an Goethe denken wie (Buchenwald)
Es reifte der Entschluss, nur welcher?
Schweres Bekenntnis: ich gehöre zu denen, die nicht dazugehören.
Die gesichtslosen Anzug-, Scheitel-, Pfiffi[ugs. für Toupet]-, Bedenken- & Entscheidungsträger, die alles andere ausschließenden Insider, die ständig freudlosen Onanisten, die Langweiler, Smalltalker, die Rädelsführer, diese lächerlichen Intellektuellendarsteller, diese mediokren Ikonen, lüsterne selbstverliebte Wortwichser, die tintenblütig-moralisierenden Schreiberlinge – die, alle, gehören dazu, & wer wollte da dazugehören, sagt man sich, wenn die Ohnmacht mal gerade den Schmerzpegel nicht erreicht. Aber allen Ernstes, an denen wird mir spei & übel über den Tag hinaus. Überall triffst Du sie, wo die Macht zuhaus ist oder wo von Veränderung die Rede ist. Während der Staatsminister wegschlummert, werde ich Jakobiner.
Wir wissen keine rechten Antworten, aber verstehen wir denn zu fragen?
Warum wirfst Du Dich nicht von vorne in einen LKW, wenn es schon sein muss (ein kräftiger Tod)
Ich suche nach einer Gelegenheit mit Dir warm zu werden.
Und dafür habe ich lesen & schreiben gelernt?
Ich legte gerne mein Wort für etwas ein, das lohnte
Si he muerto y no me he dada cuenta a quién le pregunto la hora? <Wäre ich nun gestorben, ohne es zu wissen, wen? fragte ich nach der Stunde – [Pablo Neruda]
klingt jedes ernst gemeinte Wort von mir wie ein Abschied
Sich auf- & davonmachen
Schließlich beschloss er, daran zu wachsen. Genau besehen, wuchsen die Narben mit ihm.
Auf mich rechne besser nicht
Die Sonne stieg & stieg, sie fiel & fiel, & das war uns mal genug.
Das Alter macht uns die Haut weiter, als sei es schon nicht mehr ganz die unsre. Bald werden wir von ihr lassen müssen. Aber wir haben gelebt.
Ich legte meinen Mund kraus & ließ ein Wort fahren, ein sanftes. Komm, sagte ich, sagtest Du. Wir trieben fort. Wer uns sah, der schaute. Hinterher. & dachte: So! kann es gehen, so! auch. Deine Augen schauten meine, darin Deine, darin meine. Ein Herz schlug lauter. Als meines, als Deines. & um sich. <Für all das kamst Du, kam ich, zu spät.>
Der falsche Pathos von einst
Lyrik als schriftgewordenes Selbstgespräch.
All die Mürbheiten offenlegen.
Tu mir ein Gutes & bleibe erreichbar
Der Goldfisch schwamm seit Stunden im Kreis herum, immer in der gleichen Richtung. Hans konnte diesen Anblick nie gut ertragen, & nun ganz besonders schlecht. Draußen war es schon dunkel. »Dunkel genug«, dachte er plötzlich. Er zog sich die Strickjacke über (die Willy nicht ausstehen konnte), nahm das Glas unter den rechten Arm, öffnete die Tür & stand schon auf der Straße. Als er an der Gracht stand, fühlte er sich wie Johannes der Täufer. Er goss das Wasser vorsichtig hinaus, bis der Fisch fast auf dem Trockenen lag. »So, jetzt kannst Du mich hören«, sagte er in das Glas hinein, »Du hast die Ohren frei. Mach’s gut, Junge, & grüß mir das Meer!« Die Gracht war bodenlos dunkel. Als er Jim hinunterwarf, hörte er einen matten, kurzen Aufprall. Fisch auf Stein. Erschrocken stellte er das Glas auf den Boden & setzte sich ganz dicht an den Sturz. Er starrte hinunter, sagte: »Mensch, Fisch!« – »Ich habe ihn umgebracht«, dachte er, & er fühlte sich schuldig. Als Willy kam, sah sie ihn niedergeschlagen immer noch dort sitzen, & sie wollte ihn schon fragen: »Hans, was ist? Kommst Du mit rein?« Bevor sie den Mund noch aufmachte, sah sie Jims leeres Glas. Wütend drehte sie sich um, lief über die Straße ins Haus & knallte ganz ordentlich mit der Tür. Hans verbrachte diese letzte gemeinsame Nacht draußen. – »Vielleicht«, sagt Willy mit einem Anflug von Traurigkeit, während sie in den Tee starrt, »vielleicht gibt es ein Schicksal, das sich bestechen lässt. Ich kann es mir jedenfalls vorstellen.« Sie denkt an Jim. »Vielleicht verdanken wir unser Zusammensein einem toten Fisch«, ergänzt sie nachdenklich, & Max nickt mit großem Ernst. Er weiß nicht, wovon sie spricht, aber hier genügt es auch, ihr zu glauben. <Beweise für Jims Tod gab es allerdings nicht. (Die holte sich vermutlich eine der Amsterdamer Möwen noch in derselben Nacht).> [Aus dem Max-Zyklus]
Es rührt mich an (und für sich)
Der Kellner beginnt, die Stühle um sie herum auf die Tische zu stellen. Es ist erst halb fünf. Sie schauen sich an. Kein Lächeln, ein Suchen. Max stupst gegen ihre Nase & wiederholt: »einem toten Fisch«. Im Radio singt Herman van Veen ein Lied für eine ferne Prinzessin. Das treibt sie beide in den Wind hinaus. [Aus dem Max-Zyklus]
Dich trag ich mir ewig nach
Er sagt mit den Fingern alles, die die Tasten des Klaviers nur kurz berühren (wenn überhaupt). Er erzählt dir jeden Film tausendmal besser. Es steckt alles schon in ihm, & er sucht sich nur noch die Bilder. Die Melodien suchen ihn.
Er mag es, jetzt neben ihr zu sitzen, ohne ihre Hand zu spüren. Sie versichern sich nur selten mit einem Händedruck, dass sie da sind. Sie haben es kaum nötig. Er hat die Hände frei für den Zuckerbeutel & den Teelöffel, & sie ihre Blicke für den Horizont. Dann schaut sie langsam hinab, fixiert die Tasse, nimmt den Löffel & stößt ihn in den warmen Tee, rührt nur so vor sich hin & folgt den schwappenden, zirkulierenden Bewegungen auf & unter der Oberfläche. Sie lächelt links ein wenig, versonnen. Sagt leise: »Ist schon gut so.« [Aus dem Max-Zyklus]
Muntere Greise, sich & einander genug. Bedächtig, beharrlich & gut.
Alles dabei
Ich decke den Tisch für zwei.
Den Tisch decken (darum)
Promiskuität hat einen Namen
Und Du weißt ja alles von mir, also viel zu viel.
Herr Wiener (1/2) sagte: »Vergessen Sie nicht, junger Mann, alt zu werden ist keine Kunst.« Er geht lieber auf die neunzig, als dass er Ende achtzig ist. »Wissen Sie«, sagt er leise, »ich mag das Ende nicht.« So jung.
Herr Wiener (2/2) sagte: »Spaß muss sein. Auch bei der Beerdigung, sonst geht ja keiner mit!«
I am a loner (by confession).
Luxus: Du machst, dass ich an Freundschaft glaube. Zwischen Mann & Frau, sogar. Wo sonst? Bei einem Glas Port Dir das ganze Leid geklagt. Wir werden noch in zahnlosen Zeiten Freunde sein. Den Umweg über die Liebe haben wir uns gespart. Ich habe auch kaum daran gedacht.
Langsam schritt die Sonne das alte Haus ab. Das Schilf wog sich im Wind hin & her. Leise taute der Schnee, & die Krähen auf den Feldern, die sich im Pulk sammelten, ließen die vereinzelt niederstoßenden Möwen gewähren. Die Sonnenstrahlen wärmten die schwarze Platte seines Schreibtischs, an dem er saß & zum Fenster hinausstarrte. Gedankenverloren. Er genoss es, zu spüren, wie bei geschlossenen Fenstern dem Licht eine wärmende Kraft zu entlocken war, die draußen, im Wind, noch unerkannt verflog. Es wurde jedoch im Inneren des Hauses allmählich kühler, denn die Wintersonne hatte ihren Zenit längst überschritten & machte sich auf den kurzen Weg nach Westen. Max bewunderte sie, dass sie ihren Abgang in aller Bescheidenheit fand, die ihn für Augenblicke eine so große, gewaltige Demut empfinden ließ, an der er gerne die Welt hätte teilhaben lassen, nur fand er keine Worte dafür. Er schloss die Lider nur knapp, um der Wärme auf der Haut nachzuspüren, die etwas flirrendes, unstetes hatte. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, weil er mit sich & dem, wie er sich dachte, eins war. In den Fingern hielt er den Füllfederhalter, mit dem er sich nur gewichtige Worte aufzuschreiben vorgenommen hatte. Lis hatte ihn, als er diesen Vorsatz einmal abseitig äußerte, einfach & schallend ausgelacht. Lis, dachte Max, & sonst gar nichts. Er empfand sich den Taupfützen verwandt, die selber kaum mehr sind, als ein Schmuddeliges, in dem sich schmutziggrau das umliegende, tauende Elend widerspiegelt. Max dachte nicht, dachte er, er wurde gedacht. [Aus dem Max-Zyklus]
Es verfolgt mich die Liebe der falschen Frauen. Ich aber bin Dir verfallen.
Diese Eintracht stellte sich nur einmal ein. Brüderlein – Schwesterlein. Sagte er sich, um Worte zu finden, die dem ganzen eine Folie gaben. Er mochte sie wirklich ganz anders
Wer buchstabiert Dir die Liebe noch?
Kammerromantiker.
Du, glaube mir, aber was?
Die Geigen verstummen, der Tanz ist aus, es trennen sich höflich die beiden. Sie kennen sich leider viel zu gut, suchen sich jetzt zu vermeiden. [Heinrich Heine]
Ich will’s wissen
Am Ende ihrer Liebe (es war wie nach einem schnellen Tanz; sie waren ganz benommen) schauten sie einander unverwandt an. Mit ihm? Mit ihr? Sie trauten ihren Augen nicht, & nicht ihren Sinnen. Einmal noch reichten sie sich die Hand. Nichts lag mehr darin & daran. Wunden Herzens & äußerst gefasst ging sie nach da & er nach dort. Der kleine G“tt aber, in ihrer Handtasche, weinte.
sie liebte ihn wegen des Kindes
Mit geübten Fingern legtest Du mein Herz frei. (Du wurdest nicht fündig. Ich aber liebte Dich mit Haut & Haar)
Sie schrieb: Ich riss meine Gedanken weit auseinander, so weit, dass ich darauf rechnen durfte, dass es Dir nicht entgangen sei. Ich legte die Finger auf die klaffende Wunde & lachte. Ich zog den Fuß nach, für Dich. Ich legte mir eine Entstellung um die andere zu. Ich zückte die Worte wie Stilette, &, als alles andere nicht half, warf ich sie nach Dir. Du bliebst stehen & schautest mir noch zu. Ich behandelte Dich schlecht, damit Du es nicht erst versuchst – aus mir einen Menschen zu machen. Damit Du mich mit Deiner Liebe nicht mehr behelligst & Dich nicht unglücklich machst. Ich stellte einiges an, & Du gewannst mich doch lieb. Wie Liebe blind macht…
… hätt’s gerne gewusst
Sie riss sich zusammen. So schwanger, wie sie war (& ein bisschen schwanger gibt es nicht), konnte sie sich diesen Gedanken nicht erlauben. Die Zweifel, die sie beschlichen, je mehr der Bauch wuchs (und waren ja schon vordem da, warum hatte sie sie erstickt?). Sie wusste nicht mehr, welches die wachen Augenblicke waren. Wahrhaft, sie überblickte die Folgen noch nicht, & wie denn auch. Man macht es sich nicht klar. Manchmal wachte sie nachts auf & weinte so leise wie möglich, damit er sie nicht hörte, & dass er sie nicht hörte, dass er ihr keinen Halt bot, wenn sie so am Ende war, ließ sie noch mehr weinen. Dann dachte sie: ich bin halt schwanger. Aber sie wusste, dass es noch etwas anderes war, was sie leiden machte – dass er nun auf eine Weise zu ihr gehörte, wie sie es eigentlich niemandem zugestehen wollte. Sie dachte gelegentlich bei sich, dass diese schlaflosen die wachen Momente seien. Seine wachen Momente erlebte sie kaum, & so begann schon das Elend, das man Ehe nennt.
New York: man mag es mögen (Jeffrey & Gina)
Später war Jeffrey ohne Gina, Hudson ohne River
Antwerpen, die Schamlose.
Der Tod klopfte nicht einmal an die Türe. Er gab keinen Laut. Du konntest Dich nicht einmal vorbereiten, auf ein letztes Wort.
Kommen Sie doch kurz herein, Freund Hein, auf ein letztes…
Deine Furcht leuchtete mir von den Berghängen her heim. Es schmeichelte Dein Atem mir ein Zuhause, noch ehe ich es schaute. Mir war, als kehrte ich nach langer Reise zurück, als ich bei Dir ankam. Du gabst mir eine Ahnung. Du warst mir gewiss.
Der statt LeChajim immer »Freund Hein« rief
Mit einem näselnden Schritt eilte er dem Abgrund zu. Es rief ihm ein jemand etwas zu & ermunterte ihn. Wozu, belieben Sie zu fragen? Ach, wir hörten nicht, wir sahen! & das genügte. Wir warteten wie elektrisiert, dass er den Schritt täte, den einen. Er aber zierte sich & wollte wohl zu Grabe getragen werden. »Weiter, Meister«, schrien wir, & »weiter, weiter!« Das Volk war wie von Sinnen. Der Tänzer hielt plötzlich inne, kurz: es hätte nicht viel gefehlt. Er verbeugte sich mit kleinen, sparsamen Gesten, lächelte mit einer Hälfte des Gesichtes nur, & es stand ihm in der anderen die Verzweiflung geschrieben, mit der unsereins schon das Wochenbett floh. Seine Lippen nannten fast zärtlich den Namen einer Schönen, die in der Menge endlich aufschrie, sich von den Umstehenden losmachte & ihm hintan lief. Kaum hatte sie ihn fast erreicht, sie wissen schon, denn es ist mehr als nur eine Ahnung, wendet er den Blick kurz himmelwärts. Gefasst tritt er noch den letzten Fußbreit heran an diesen Sturz, dreht das Gesicht der Geliebten zu, lacht ganz unverschämt, breitet die Arme aus & – fängt sie auf. Doch, endlich, & die Menge bellt dazu ihr entzücktes Entsetzen, fallen beide, fallen, alles fällt, innig umschlungen, hinab! Wir drängten hinterher, zum Abgrund, doch war nichts mehr zu sehen, buchstäblich: nichts! & es wagte sich doch keiner ganz heran, der das vorangegangene Treiben nur gesehen hatte. Es sind die Lemminge in uns, dachte ich kurz. Das Schweigen dauerte nicht lang’; kaum hatten sie sich umgedreht, ging das Fest weiter, & es schien mir, als habe das gerade Gesehene ihrem Rausch nur noch mehr die Zügel genommen. Sie lachten & tanzten & soffen wie vergnügt. Nur der kleine Kaplan war so ganz stumm & schaute dann & wann zum Horizont, als suche er dort ein Zeugnis seines einsamen G“ttes. & auch er gefiel sich jetzt besonders, weil sein Schöpfer von ihm gelassen hatte wie er vordem von Ihm. Ich tanzte derweil & wurde gläubig dabei. (Traum)
Max hatte lange nicht an sie gedacht. Er hatte sich da & dort als Liebhaber versucht. Gelegentlich glaubte er, ein Gefühl zu entdecken, aber das trug nicht weit. Er war ihr treu geblieben. Einmal schrieb er ihren Namen auf jemandes anderen Rücken, nahm er erschrocken wahr. [Aus dem Max-Zyklus]
Den Tod vor Augen lass ab / nach
War ich Dir nackt erschienen, hätte ich Dich gerne gleichfalls erkannt
gleichsam
Die Sterne glichen dem Kleingeld, das einem Trinker aus der Tasche fiel.
Gefürchtet, Du könntest nun noch kommen.
Solange ich mich erinnern kann (Erfüllung)
Hamburg (New York wie im Zahnarztstuhl, & ich weiß was ich sage…)
Samos – Samsø
Willy nahm ihm seine Melancholie nicht eigentlich krumm. Sie legte dann ihren Arm um ihn & sagte etwas dahin. Oder sie stieß ihn sanft in die Rippen, fasste ihn unter & drehte ihn im Kreis. Manchmal riss sie seinen Kopf vom Kinn her herum. »Zum Unglück«, sagte sie, »wie zum Glücklichsein«, sagte sie, »gehören meistens zwei« (oder drei…). <2.Variation auf einen Satz> [Aus dem Max-Zyklus]
…reimt sich auf Wille…
Erinnert sich gerne an seinen kleinen beschaulichen Sozialismus; er war einer, & zu mehr hätte es auch nicht gereicht. Die Hände blieben sauber. Sauber bleiben, dann ist schon viel geschafft.
Chiffre
Mein Kommunismus erstreckt sich auf die ganze Menschheit soweit ich sie überblicke. Tauglich ist er gerade bis um viere dann lass ich die Kelle fallen. Ohne Revolution ward dat nix aber mit mache ich nicht mehr mit. Das könnte mich den Kopf kosten den brauche ich noch. Oder es rollten andere Köpfe denn schon mit den Nachbarn von unten wird es schwierig werden sich auf ein gutes Leben zu verständigen. Die brauchen ihren Köpfe auch noch & wenn ich mich frage wozu eigentlich wird es schon kritisch. Wenn alles so wäre wie es sein müsste damit es würde wie es sein sollte dann bräuchte es meinen Kommunismus nicht mehr. Endlich ließe sich sagen.
Der Kopf ist rund damit. Der Kopf ist hohl, damit. Das Denken einen Platz hat.
Das Denkmal auf dem Marktplatz verlangt nach einem Lückentext der greise Pfarrer nach stets jüngeren Knaben & dieser Gedanke wiederum nach einem geeigneten Schlu
meine Traurigkeit hat ihre Worte verloren, ist zu stumpfer Bitterkeit abgebrochen, & das mir
nicht losgeworden, dieses Gefühl
zu spät gekommen
Als Marianne heimging sprach der Pfarrer ihr zu & nach. An ihrer Stelle hätte ich noch einmal den Deckel gelüpft & Einspruch erhoben aber da war G“tt vor. Eingesargt ist eben auch kein Leben.
Komm, gucken! Einen Blick geworfen, hinter die Dinge. Ein neues Jahr & raus wie rein. Das Weltbild sausen lassen. Es gibt uns <noch>. Augen auf! & durch. Komm. Etwas tun. Die Welt verändern. Nicht erst morgen.
Das Leben rückwärts erzählen, Satz für Satz. Ein Roman, der unvermittelt mit dem Tod seinen Anfang nimmt & mit der Zeugung sein Ende. Ein letzter Satz wie »Nichts mehr« als Intro. & alles andere reiht sich entgegen den Strom der Zeit. Kein Kreis, sondern eine nüchterne, buchhaltérische Bilanz. So was mal schreiben…!
The very moment we met, I
had this strange desire to
make up
with you
The very moment we met, I
was willing to
change my
ways, my
life, my my
I was eager to speak
no more, no more, but
to listen –
listening to you
Every word you spoke, it
opened a door, sometimes
even a gate, like
to a colorful garden
But your unsparing eyes
did not sparkle for
me, no, ‘ were not
sparkling for me
You gleamed
wastefully
for the world,
around us —
no we, no us
A squint, just
a glimpse, just
a glance, just
a sight, just
In the mirror of your eyes
I’m getting older and
older, I see myself
almost
passing
away
What a wasteful moment, worth —
for nothing. Neither you, nor
me, no you, no me
Blinded, expired,
but joyfully lapsed, the
very moment we
met, it changed
my way, my, my
Distance is
distant, and charming Charlotte
a grace to the world.
My, my…
Gedanken schweifen, Beine baumeln lassen
Ambivalenz sei sein Status, Ironie seine Religion, & die Parenthese sein Rosenkranz…
Wenn Pollke aufs Meer schaute, schaute das Meer zurück. In seinem Blick war immer mehr… Als ich ihn zum letzten Mal sah, saß er da vor dem Edeka-Markt im Ostseebad. Seine Augen waren gerändert & rotgeädert, wässrig. Er lallte was, wobei in seinen Mundwinkeln gar nicht dünne Speichelfäden sichtbar wurden. Bei aller Abgerissenheit hatte er etwas Verletzliches, das ich von mir kannte, & ich überwand mich & setzte mich zu ihm. »Das‘s’n unbekannter warmer Moment«, raunte er, & ich fixierte ihn überrascht. Da lag Würde drin… »Wie heiss’n du?« fragte er, & ich sagte: »Max« & er: »Angenehm.« [bedeutungsvolle Pause] »Pollke«, & er wies mit beiden Daumen auf sich. Dann begann er von sich zu erzählen, recht zusammenhanglos, immer von Pollke in der 3. Person. Ich hörte ihm nur mit halbem Ohr zu & versuchte, die Blicke derer zu ignorieren, die uns befremdet musterten, ihn & mich. So abgerissen er war, rang ich um Fassung. Das blieb Pollke nicht verborgen & er raunte mir zu: »Biss’n So-ze-ahl-romantiker, dassu dich mit mir abgibss?« – »Ich muss mal weiter«, antwortete ich ertappt & er schlug mir mit der rechten Hand aufs linke Knie & sagte: »aber dann lassma‘ ‘ne Mark da…«. Ich grabbelte verlegen nach Münzen & er meinte: »‘n Fuffy tut’s auch…« … »bin aber nich‘ korumpierbar«, schob er nach & lachte. »Nie nich‘!« lachte ich zurück & gab ihm Einsfuffzich. »Sach ich doch«, konterte er, »Das war’n unbekannter warmer Moment…« – ich: »für uns beide…« & das letzte Wort hatte wieder er: »mein‘ ich ja.«
Deckel zu. Zwischen Zweien die Zeilen, kein Verweilen. Wir eilen. Es wird Morgen über der Stadt. Nachtgedanken, allemal. Was vertrüge sich mit diesen Worten besser als ein Kater, durch Trunksucht & Prasserei redlich erworben? Das Morgenlicht müssen sie jedenfalls meiden. Es bleibt vielleicht ein Nachgeschmack (Weinsäure auf leicht pelziger Zunge, der Kopfschmerz noch knapp vor der Stirn, außen, nur wenn Du Dich vornüber beugst, kriegt er Dich & Du ihn, & da ist er auch schon…). Ungehalten: Nicht viele Worte me
Wer hat mir an der Wiege gesungen, dass heuer ausgerechnet: [Platzhalter für einen Ort, an , an dem jemand lebt, in die ich mich vergeblich verliebte; da waren schon krasse Städte dabei…] mir ein Sehnsuchtsort [sein] würde, solange
Deckel zu. Zwischen Zweien die Zeilen, kein Verweilen. Wir eilen. Es wird Morgen über der Stadt. Nachtgedanken, allemal. Was vertrüge sich mit diesen Worten besser als ein Kater, redlich erworben? Das Morgenlicht müssen sie jedenfalls meiden. Es bleibt vielleicht ein Nachgeschmack (Weinsäure auf leicht pelziger Zunge, der Kopfschmerz noch knapp vor der Stirn, außen, nur wenn Du Dich vornüberbeugst, kriegt er Dich & Du ihn, & da ist er auch schon…). Ungehalten: Nicht viele Worte me
Hast Du eine Idee parat, die trüge (trügerisch)
Ich hätte mir gewünscht, sie sei, am Ende, die Frau, die bleibt
So long, Marianne [Leonard Cohen]
Fofftich [i.W.: 50] – my salad days are over? [2015]
»Lesen & denken heißt Reflexion, wenn du dabei auch dein eigenes Angesicht schaust, & dahinter«, sagte mein Analytiker; »Denken muss ein Wagnis sein«, sagte er dann, oder: »Denken muss ein Wagnis bleiben«?
…ich war unentschieden, ob es dort im Hellen oder Dunklen schöner sei, bis mein dialektisches Typberatungsteam die Frage durch ein entschiedenes »Weder, Noch« korrigierte
das Herz ist oft mehr wie ein Stein. Meiner bricht heute einmal mehr…
mein »Unwort des Tages« / »der Woche« / »des Monats« / »des Jahres« wäre sowaswie: »dünnhäutig«… c’est moi…
…ich war unentschieden, ob es dort im Hellen oder Dunklen schöner sei, bis mein dialektisches Typberatungsteam die Frage durch ein entschiedenes »Weder, Noch« korrigierte
»Es gibt einen Satz von Grabbe, der lautet: ›Denn nichts als nur Verzweiflung kann uns retten.‹ Das ist provokativ, aber gar nicht dumm. — Ich kann darin keinen Vorwurf sehen, dass man in der Welt, in der wir leben, verzweifelt, pessimistisch, negativ sei. Eher sind doch die Menschen beschränkt, die krampfhaft die objektive Verzweiflung durch den Hurra-Optimismus der unmittelbaren Aktion überschreien, um es sich psychologisch leichter zu machen.« [Theodor W.]
Seitdem der Vorsitzende des Lehrerverbandes empfohlen hat, Hitlers »Mein Kampf« in der Schule zu lesen, bin ich häufiger Gast auf der Website des Fachverbands der Standesbeamtinnen & Standesbeamten e.V.
Eine befreundete Analytikerin erzählte mir vor Jahren von einer Frau, die von einem Psychiater zu ihr mit der Diagnose einer »manisch-depressiven Episode« überwiesen worden war. Das Wort Episode störte sie in der Diagnose [sie hielt & hält aber auch wenig von der herkömmlichen Psychiatrie], da sich dieses an sich anmutige Wort meist nur mit dem das Grauen aufrufenden Begriff der Depression diagnostisch sinnhaft verbinden lässt – immerhin mit der kleinen Verheißung, dass das auch wieder vorübergehe [Episode]. Die Patientin bewies die Geduld [patience] & Kraft, sich Woche um Woche zweimal auf die Couch zu legen & ihr Innerstes nach außen zu kehren. Nach vielen, vielen Wochen erklärte sie, dass sie froh sei, dass sie nun fähig sei, tief traurig & hoch erfreut zu sein, da das ihrem Leben die eigene Tiefe & Intensität verleihe. Meine Freundin war schwer beeindruckt & sagte – ebenso schwer – erleichtert: »dann hat diese Couch für Sie jetzt ihren Zweck erfüllt«, & in einem spontanen Akt trugen beide die Couch auf die Straße…
Dieses Bild hat mich damals sehr beeindruckt.
Diese Geschichte ließe sich von hinten her lesen & wäre falsch erzählt, als ginge es darum, die Couch auf die Straße zu tragen. Es geht, denke ich, darum, herauszufinden, was von dem gefühlten Unglück, von der Einsamkeit, der Traurigkeit & Verwundbarkeit so sehr das Eigene ist, dass man es nicht missen mag, dass man ohne es nicht mehr man selber sei, & was davon eine Gefahr dafür darstellt, sich selbst [& andere!!!] nicht mehr wahrnehmen zu können. Ohne in der Pose zu verweilen, die den Schmerz zum Fetisch macht.
»Es gibt keine Sterne, keine Sterne über Berlin« [NÖRD]
Mit 14 schrieb ich [u.a.] 2 Sätze, die ich heute noch mag: »Du lässt den Schmerz nicht los, gekränkte Antigoné, es ist gut Spielen mit Zuckertränen.« Antigoné war damals ich.
Nach vielen, vielen Wochen erklärte sie, dass sie nunmehr froh sei, die Fähigkeit entwickelt zu haben, tief traurig & hoch erfreut zu sein, da das ihrem Leben die eigene Tiefe & Intensität verleihe. Meine befreundete Analytikerin war schwer beeindruckt & sagte – ebenso schwer – erleichtert: »dann hat diese Couch für Sie jetzt ihren Zweck erfüllt«, & in einem spontanen Akt trugen beide die Couch auf die Straße… Dieses Bild hat mich damals sehr beeindruckt. Diese Geschichte ließe sich von hinten her lesen & wäre falsch erzählt, als ginge es darum, die Couch auf die Straße zu tragen. [A. stand dann vor dem kleinen Problem, dieses Arbeitsgerät auch wieder hoch zu bekommen, in den 4. Stock, Hinterhaus…] Es geht, sagte A. später, darum, herauszufinden, was von dem gefühlten Unglück, von der Einsamkeit, der Traurigkeit & Verwundbarkeit so sehr das Eigene ist, dass man*frau* es nicht missen mag, dass man*frau* ohne es nicht mehr man*frau* selber sei, & was davon eine Gefahr dafür darstellt, sich selbst [& andere!!!] nicht mehr wahrnehmen zu können. Ohne in der Pose zu verweilen, die den Schmerz zum Fetisch macht.
Ich habe A. in all den Jahren nie in ihrer Praxis besucht[, denn ich kann nicht mehr so ganz schwer tragen]. Heute bedaure ich das. Ihre Praxis ist mir entgangen. [In der Praxis eines Hamburger Freundes die hochwertige Kleenex-Box neben der Couch; im Stockholmer Plattenbau die einfache Liege, auf der ich in den Praxisferien 2-3 Tage behelfsweise schlief (Traum vieler Analysandinnen!!!) & 2 Tage auf das beim Lufthansa-Flug verlorene Gepäck wartete, vor der Tagung in Uppsala… usw.] Nichts sei, meinte Adorno, an der Psychoanalyse so wahr, wie ihre Übertreibungen. Das würde ich heuer [2019] noch einmal mehr unterschreiben. Denn der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer hervor… Ab & zu summe ich ihren Namen, wenn ich dann doch Schweres in meinen 4. Stock (Seitenhaus) trage. Im 1. Stock an der »Lehrpraxis« vorbeieilend.
…es gibt diese anmutigen Momente…
Wenn 2 sich trennen… meist so, wie ihre Liebe begann. Leidenschaft kehrt im Zweifel genau dann unverhofft zurück & schafft ganz neues Leid
ich schrieb gerade noch an meiner Geschichte »Dallmayr räumt auf« & sah zur Uhr
das Universum nuschelt, aber so was von
»Facebook ist dein Passagenwerk«, meinte meine alte Benimmlehrerin. »Schade«, erwiderte ich. Ihr »Like« blieb nicht aus
ich las ihre Zeilen gern, denn sie gaben zu vielem Anlass
die dir nachgetragene Liebe zurückzuweisen, heißt manchmal: notwendiger Verzicht
ich verstehe mich nicht auf anderer Leute Leben
»Gosh«, dachte ich, »ich war schon vor Facebook peinlich…«
Bei anderer Gelegenheit dachte ich: Ich bin für die Postmoderne noch lange nicht reif. Ich habe ja die Freudsche kopernikanische Wende […dass der Mensch nicht Herr (Genderbuzzer!!!) im eigenen Hause sei…] noch gar nicht überwunden. Zumal in Postmoderne das Wort »Mode« steckt, mit dem ich mich beim Denken, Analysieren & Kritisieren so gar nicht anfreunden kann & will… Rabbi Hillel [»Trete ich selber nicht für mich ein, wer tritt für mich ein? Wenn ich nur für mich bin, was bin ich? Wenn nicht jetzt, wann dann?« (Der Babylonische Talmud, Pirkeh Aboth / Sprüche der Väter, I 13)] ist sicher vormodern, wie auch die durch Salomo überlieferten Worte in Kohelet [Prediger] 3, 1-8[, die Pete Seeger 1950 als Grundlage für sein wundervolles Lied »Turn, turn, turn« wählte (, das wiederum erst 15 Jahre später durch die Byrds populär wurde…)]. Aber deshalb sind sie nicht unbedingt nur von gestern. Auch auf die Gefahr hin, dass das nicht überzeugt, fürchte ich, der »Turn-Around«, die »Umkehr« [hebr.: תשובה] geschieht nicht, solange du auf ihn wartest, sondern nur, wenn du ihr praktizierst. Das klingt jetzt mal einfacher, als es ist. Ich versuche mich mal daran. Als orthodoxer Freudianer, bekennender Atheist, vom Existentialismus beflügelter Solipsist usw. ist Ironie meine [etwas irre] Religion, sind Paraphrasen meine [eben immer zusammengeborgte] Ausdrucksform. Meine Leichtigkeit hat keine Flügel. Manchmal meine Traurigkeit schon. & das ist gut so. Das erhebt sie… entfernt sie. Als auch vom Leben zuweilen gebeutelter, immer wieder krisengeschüttelter Einwohner des 21. Jahrhunderts [mit vielen sehr intensiven Kontakten zu Überlebenden des 20. Jahrhunderts, für die der Psychoanalytiker Eissler die Pein auf den Begriff brachte: »Die Leiden Hiobs waren geringer, & in seinem Falle versuchte der Teufel sein Bestes.«], der dabei viel [vermutlich sinnlosen] Spaß am Leben hat, weiß ich eins: der Zweifel will mit viel Freude gefüttert werden, damit er nicht runterzieht.
…je suis Paris?! Egalité, Fraternité, Variété!
Wofür das »L.« auf seiner Visitenkarte stehe? »Lemming«, sagte er
Mimikry: sie fügte ihrer Visitenkarte ein »Y.« hinzu; the most Jewish letter, ever
…die Existenz gleich 2er Lesehilfen gleicher Stärke erwies sich beim Brille-Putzen immer wieder als überaus hilfreich…
…eine der Personen in seiner neuesten Erzählung wolle, so erzählte er beiläufig, eigens »Bahnchef« werden, um einzuführen, dass täglich alle Züge der Deutschen Bahn zwischen 19:33 Uhr & 19:45 Uhr einfach nur anhielten… irgendwie sympathischer, wenn auch a’wenng gewollter Symbolismus, dachte ich. & erkannte mich [genaugenommen: erschrocken] wieder… »dann lieber Writer’s Block«, kommentierte meine alte Benimmlehrerin nachdrücklich & entschieden
…hätte jetzt nicht noch jemand eine kleine oder große Gemeinheit für mich parat?
ich dachte gerade ans Nichtdenken
»Völker, hört die Signale«? Zu viele, ich kann sie nicht einordnen
Es gibt nur wenige Menschen, die ich, soziophober Neurotiker, schon vermisse, solange sie eigentlich noch da sind. Aber die misse ich héftig!
Lese das Buch, langweilig, schlafe drüber ein, im Schlafe träume ich weiterzulesen, erwache vor Langeweile, & das dreimal – [Heinrich Heine]

